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Full text: Memoiren der Königlich Preußischen Prinzeß Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Großen / Wilhelmine Friederike Sophie, Brandenburg-Bayreuth, Markgräfin (Public Domain)

hätte. Dieser war damals sehr liederlich, besuchte alle schlechten 
Häuser und nahm vorlieb, mit dem, was er vorfand, ohne sich von 
den üblen Krankheiten, die er mehrmals davongetragen, witzigen 
zu lassen. Er wollte den Erbprinzen durchaus zu diesen Aus— 
schweifungen verführen, der hatte aber einen Abscheu vor dergleichen 
Schändlichkeiten und reiste zwei Tage darauf zu seinem Regiment 
ab. Ich wollte seine Ungeduld, seine Pflichten zu erfüllen, bei 
dem König geltend machen, nahte mich ihm und sagte, daß der 
Erbprinz, der sich ihm zu Gnaden empfehlen ließ, glücklich bei 
seinem Regiment angekommen sei. „Wie ?“ sagte der König, „an⸗ 
gelangt? Ist er denn nicht in Ruppin bei deinem Bruder gewesen ?“ 
— „Ja,“ antwortete ich, „allein der Eifer, sein Regiment zu sehen, 
hat ihm daselbst keinen langen Aufenthalt gestattet.“ Meine Antwort 
freute den Uönig. „Er hätte sich nicht zu eilen brauchen,“ sagte er, 
„ein oder zwei Tage mehr verschlagen nichts; die beiden Schwäger 
müssen vertraut zusammen werden“ — und nach einigem Nachdenken 
setzte er hinzu: „du erregst mein Mitleid; du bist arm, aber du 
hast einen Markgrafen, der herrliche Eigenschaften hat, das muß 
dich trösten. Ich habe aber einen Plan im Kopf, der euch zustatten 
kommen soll. Es gibt gewisse Cehen, die ich, wenn sie fällig sind, 
wieder vergeben muß, zwei davon werden nächstens fällig, ich bestimme 
sie deinem Manne; sie werden zusammen gegen zehntausend Taler 
eintragen; ich will ihm auch die Anwartschaft auf eine Kommende 
des Johamiter-Ordens geben, die ich zu verschenken habe; der jetzige 
Besitzer ist so alt, daß sie bald ledig werden muß. Dein Markgraf 
muß, sobald wir in Berlin sind, sich aufnehmen und einschreiben 
lassen.“ Ich dankte dem König tausendmal für seine Güte. So 
schnelle Wechsel vom Bösen zum Guten und Guten zum Bösen ver— 
anlaßten mich zu mancherlei Betrachtungen über die Veränderlichkeit 
der menschlichen Dinge. Der Lehnspflichtige starb auch wirklich 
nach vierzehn Tagen und der König hielt Wort und erteilte dieses 
Cehen dem Erbprinzen. Die Rückkehr meines Bruders vermehrte 
noch meine Zufriedenheit, er bezeigte mir die herzlichste Freundschaft 
und sprach von dem Erbprinzen mit viel Ciebe; er gab mir soviel 
Geld, daß ich meine Schulden bezahlen und den Erbprinzen, solange 
er abwefend war, unterhalten konnte. 
Der König hatte einen seiner Finanzbeamten nach Bayreuth 
geschickt, um die Geschäfte in Ordnung zu bringen. Bei seiner 
Rückkehr machte er den König mit dem Zustand der Sachen bekannt, 
aber wie der Erfolg bewiesen hat, war er selbst falsch unterrichtet 
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