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Full text: Memoiren der Königlich Preußischen Prinzeß Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Großen / Wilhelmine Friederike Sophie, Brandenburg-Bayreuth, Markgräfin (Public Domain)

Prinzessin, die er heiraten sollte, sagen zu hören. Wie ich beob— 
achtete, errötete er von Zeit zu Zeit und antwortete nichts. Diese 
Unterredung unterhielt uns, solange die Tafel dauerte, worauf 
mein Bruder der KRönigin guten Abend sagte und ich mich auf mein 
Zimmer begab. 
Anderen Tages kam der Kronprinz zu mir und sagte, er habe 
Grumbkow und Seckendorf sehr gebeten, meinetwegen mit dem 
Rönig zu sprechen. Sie hätten ihm zugesagt, gemeinschaftlich einen 
Plan zu entwerfen, den sie mir mitteilen, und wenn ich ihn gut⸗ 
heiße, dem König angenehm machen wollten. Ich fragte ihn dann, 
ob er mit dem Vönig zufrieden sei, worauf er mir sagte, daß sich 
seine Cage mit jedem Augenblick veränderte, denn einmal sei er 
in Gunst, einmal in Ungnade. Sein größtes Glück sei die Entfernung, 
in der er von ihm lebe, denn in Ruppin führe er ein sehr angenehmes 
Leben, indem er seine Zeit zwischen der Musik und den Wissen— 
schaften teile. Er habe sich dort ein allerliebstes Haus und Garten 
eingerichtet, wo er lustwandeln und ruhig lesen könne. Ich fragte 
ihn, ob das Porträt, welches die Königin und meine Schwester 
von der Prinzessin von Braunschweig gemacht hatten, wahr sei, 
und drückte mein Erstaunen aus, daß man sich in seiner Gegenwart 
also geäußert habe. „Da wir allein sind“, erwiderte er, „und ich dir 
nichts verhehle, will ich dir die Wahrheit sagen. Die Königin 
ist mit ihren verdammten Intrigen an all unserem Unglück schuld. 
Anstatt sich nach deiner Heirat ruhig zu verhalten, hat sie sogleich 
wieder mit England angeknüpft, um Charlottens Heirat mit Prinz 
Carl abzubrechen, damit sie statt diesen den Prinzen von Wales 
heirate und ich mit der Prinzessin Amalie von England verbunden 
würde. Darüber hat es denn zwischen dem König und ihr eine Menge 
Zänkereien gegeben: Seckendorf hat sich hineingemischt, und um 
dem ganzen Dinge ein Ende zu machen, beschloß der König meine 
Heirat mit der Prinzessin von Braunschweig. Die Königin möchte 
darüber verzweifeln, deswegen sagt sie soviel Böses von ihr, denn 
sie möchte mich gern überreden, mich mit dem König zu über— 
werfen und ihm zu sagen, daß ich die Prinzessin nicht möchte. 
Das lasse ich aber wohl bleiben. Sie ist mir gar nicht so unleidlich, 
wie ich es glauben lasse, ich stelle mich nur so an, damit mein Ge— 
horsam gegen den König noch mehr Wert hat. Sie ist recht hübsch, 
hat eine Farbe wie Cilien und Rosen, zarte Züge und kann für ein 
hübsches Mädchen gelten. Aber sie ist schlecht erzogen und schlecht 
gekleidet, und ich hoffe, wenn sie herkommt, so bist du so gut, ein 
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