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Full text: Memoiren der Königlich Preußischen Prinzeß Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Großen / Wilhelmine Friederike Sophie, Brandenburg-Bayreuth, Markgräfin (Public Domain)

Am folgenden Tage gingen wir bis Gera, darauf nach Zeitz. 
Ich hatte nie Berge gesehen, denn des Königs LCand ist sehr eben, 
und war nie gereist. Wie ich nun die fürchterlichen Abgründe sah, 
machte ich große Augen und schwitzte große Tropfen. Auf jeder 
Station ward der Weg schlechter, ich war wie gerädert. Trotz 
allem, was man mir sagte, stieg ich aus und ging, soviel mir 
möglich war, zu Fuß — die Furcht vor den Abgründen gab mir 
Kräfte. Ich dachte in Cappland zu sein, in diesen mit Schnee bedeckten 
Bergen, in denen man nichts als fernhin einige Waldungen sah. 
seufzte leise, und fragte: wann diese abscheulichen Berge endigen 
würden, aber leider erhielt ich nicht viel Trost, denn man ver— 
sicherte mir: die dauerten fort bis Bayreuth. 
Endlich, am neunten Tag meiner Reise, kam ich nach Hof, der 
ersten markgräflichen Stadt. Man empfing mich mit dreimaliger 
Salve, die ganze Bürgerschaft stand in Reih und Glied, und ich 
stieg im Schlosse ab. Der Hofmarschall von Reitzenstein mit einigen 
Kammerherren und der ganzen unmittelbaren Reichsritterschaft er⸗ 
warteten mich unten an der Treppe — wenn man ein Ding, das einer 
Leiter wirklich viel ähnlicher sah, so nennen will. Sobald ich mein 
Zimmer erreicht hatte, trat Herr von Reitzenstein herbei und bewill— 
kommnete mich im Namen des Markgrafen wegen meiner glück— 
lichen Ankunft in seinem CLande. Alsdann empfing ich die Anrede 
des Adels. Man hatte mich darauf vorbereitet und mir geraten, 
diese Leute gut zu empfangen. Bekanntermaßen hat der unmittel— 
bare Adel große Vorrechte im Reich, maßt sich an, allein vom Kaiser 
abzuhängen, und will gern kleine Fürsten vorstellen. Da das nun 
unbillige Vorzüge sind, welche die Kaiser ihnen angedeihen ließen, 
und nur bezweckten, die Reichsfürsten herabzusetzen, so gibt es un— 
aufhörliche Reibereien und Prozesse zwischen ihnen. Der Adel des 
Vogtlandes hatte sich mit dem der benachbarten Kreise entzweit 
und von ihm getrennt, so daß dieser ihn nicht mehr für reichsunmittel— 
bar halten wollte. Die Markgrafen hatten diese Gelegenheit benutzt, 
um seine Vorrechte ungefähr auf die des übrigen Adels zu be— 
schränken, der jetzt regierende aber, damit noch nicht zufrieden, hatte 
ihn auch noch seiner wenigen übriggebliebenen Privilegien, kurze 
Zeit vor meiner Heirat, berauben wollen. Darauf empörte sich der 
Adel und bildete einen Aufstand, der sehr unangenehme Solgen 
hätte haben können. Nur mit Mühe waren diese Unruhen bei— 
gelegt worden, und der Markgraf mußte von seinem Vorhaben ab⸗ 
gehen. Herr von Voigt, mein Hofmarschall, ein Mann aus einer
	        
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