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Full text: Memoiren der Königlich Preußischen Prinzeß Friederike Sophie Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, Schwester Friedrichs des Großen / Wilhelmine Friederike Sophie, Brandenburg-Bayreuth, Markgräfin (Public Domain)

nehmen. Er tat dies, weil man, wie er sagte, die Weiber unter 
der Rute halten müsse, sonst tanzten sie ihren Männern auf den 
Köpfen herum. 
Doch dauerte es nicht lange, so erfuhr sie den Plan meiner Ver— 
heiratung. Der Rönig vertraute ihn ihr selbst. Das war ein Donner⸗ 
schlag für sie. Ich muß hier eine Skizze ihres Charakters und ihrer 
Oersönlichkeit geben. Die Königin ist nie schön gewesen. Ihre Züge 
sind scharf ausgeprägt und keiner ist schön. Sie ist weiß, ihre 
haare sind dunkelbraun, ihre Taille ist eine der schönsten in der 
Welt gewesen. Ihre edle und majestätische Haltung flößt allen, 
die sie sehen, Ehrfurcht ein. Große Weltkenntnis und glänzender 
Verstand scheinen mehr Festigkeit zu versprechen, als sie besitzt. Sie 
hat ein gutes, edles und wohltätiges Herz, und liebt die schönen 
Künste und Wissenschaften, ohne sich sehr darauf gelegt zu haben. 
Jeder Mensch hat seine Fehler und auch sie ist davon nicht aus— 
genommen. Aller Hochmut und Stolz des hannoverschen Hauses 
ist in ihrer Person konzentriert. Ihr Ehrgeiz kennt keine Schranken, 
ihre Eifersucht kein Maß. Bei einem mißtrauischen und rachsüchtigen 
Charakter verzeiht sie denen nie, von welchen sie sich beleidigt glaubt. 
Die Verbindung mit England, welche sie durch die Vermählung 
ihrer Kinder projektiert hatte, lag ihr sehr am Herzen, indem sie 
sich schmeichelte, nach und nach dahin zu gelangen, den König 
zu beherrschen. Ihre zweite Absicht dabei war, sich einen mächtigen 
Schutz gegen die Verfolgungen des Fürsten von Anhalt zu ver—⸗ 
schaffen, und im Falle, daß der Rönig stürbe, die Vormundschaft 
über meinen Bruder und die Regentschaft zu erhalten. Der König 
fühlte sich nämlich oft unwohl, und man hatte der Königin versichert, 
daß er nicht lange leben könne. Nun sah sie durch meine Heirat ihre 
Feinde viel mächtiger werden, und konnte also nicht hoffen, ihre Er— 
wartungen erfüllt zu sehen; da sie aber wußte, daß der Prinz von 
Anhalt und Grumbkow der größten Verbrechen fähig wären, um 
ihren Ehrgeiz zu befriedigen, mußte sie im Gegenteil alles für meinen 
Bruder fürchten. Wären aber auch alle diese Besorgnisse eitel ge— 
wesen, so konnte sie doch kein Glück für mich hoffen, denn der 
Markgraf von Schwedt war ein würdiger Neffe des Fürsten von 
Anhalt, feine niedrigen Neigungen, seine Vorliebe fürs Böse, seine 
—— und Roheit ließen schon jetzt in ihm einen zweiten Nero 
erblicken. 
Ganz anders war es, wenn ich den Herzog von Glocester 
heiratete. Die Verbindung mit England war eine mächtige Stütze 
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