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Marie von Olfers. Eine biographische Skizze

Full text: Blätter vom Lebensbaum / Wildenbruch, Ernst von (Public Domain)

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Marie von Olfers 
Olfers' Haaren?“ — wie oft habe ich diese Frage erdulden 
müssen. „Puder? Alter? Sorgen?“ Nein, — nicht Puder, 
sondern Natur; nicht Alter, denn Marie von Olfers ist am 
27. Oktober 1826 geboren, mithin noch nicht unter den Zenit 
des greisen Haares gerückt; auch nicht eigentlich Sorgen, obschon 
mehr bittere Sorgen über dieses liebliche Haupt dahingegangen 
sind, als man den lächelnden Augen zutrauen möchte, — es ist 
ein Erbteil ihrer Familie, in der man frühzeitig ergraut, um 
so, indem man das Sinnbild des Alters vorwegnimmt, sich 
dauernde Jugend zu bewahren, und es ist die unmittelbare Folge 
eines schweren Nervenfiebers, das sich vor fünfzehn Jahren 
etwa in den Kopf gesetzt hatte, mit ihr auf Nimmerwiedersehen 
durchzugehen. Am Rande des Grabes mit ihr angelangt, blickte 
der Unhold zurück, und als er die vielen weinenden Augen hinter 
sich gewahrte, faßte ihn ein Rühren, ließ er sein holdes Opfer 
los und gab sie den Menschen zurück, die ihrer zu Glück und 
Freude bedurften. 
Marie von Olfers' Wiege stand in Berlin, in einem Hause, 
welches damals einen, jetzt viele berühmte Männer beherbergt: 
im Hause des Staatskanzlers von Hardenberg am Dönhofsplatz, 
welches jetzt) das Abgeordnetenhaus ist. 
Ihr Großvater mütterlicherseits, der Staatsrat von Staege⸗ 
mann, war vortragender Rat bei Hardenberg, aber er war noch 
mehr, — er war ein Dichter. In die Begeisterung der Frei— 
heitskriege hatte seine Harfe kriegerisch hineingetönt, und nachdem 
Friede geworden, hatte er seine geliebte Elisabeth in klassisch 
vollendeten Sonetten gefeiert. 
Dichterblut war also in der Familie, und das ist ein nicht 
zu erstickendes Feuer, das von Geschlecht zu Geschlecht über—⸗ 
P Auch dies „jetzt“ gilt schon seit Jahren nicht mehr, seitdem 
das Abgeordnetenhaus in dem Neubau in der Prinz Albrecht⸗ 
straße tagt. A. d. H.
	        
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