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Simson und Delila

Full text: Blätter vom Lebensbaum / Wildenbruch, Ernst von (Public Domain)

Simson und Delila 
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nicht töten wolle, geht sie hin, um diesen seiner Locken zu berauben. 
Nachdem dies in kürzester Zeit hinter der Szene geschehen ist, 
sehen wir Simson, in Ketten, hereingeschleppt. Delila, von 
Reue und Entsetzen erfaßt, ruft: 
„Simson, Philister über dir!“ 
Simson erfährt den Verrat, den sie an ihm begangen, und 
flucht ihr, um wieder abgeschleppt zu werden. Rahel, die 
Mutter, erscheint, um den Ehebund ihres Sohnes mit Delila 
zu segnen; statt der glücklich Liebenden findet sie den gefesselten 
und geblendeten Sohn. Nachdem sie ihm prophetisch ein ruhm⸗ 
volles Ende vorherverkündet hat, sinkt sie sterbend nieder; Simson 
wird zum Kerker abgeführt. — Ende des dritten Aktes. 
Vierter Akt — im Kerker. Delila, welche den blinden 
Simson schon seit drei Monaten stumm, also unerkannt, gepflegt 
hat, hält es, von Gewissensbissen gepeinigt, nicht mehr aus und 
erfleht seine Verzeihung: 
„Nicht alle Schuld ist mein an deinem Anheil! 
Ich liebte dich, gewiß, ich liebte dich! 
— — — siehe, 
Da ward ich an mir selber irr', und ehe 
Ich's kaum gedacht, da war die Tat geschehen! 
Und wenn ich auch mich schwer an dir versündigt, 
So wisse, fürchterlich hab' ich gebüßt!“ 
Auf diese Argumente hin kann Simson nicht umhin, wieder 
weich zu werden und seinem Weibe, unter Aufhebung des 
Fluches, den er auf sie geschleudert, völlige Vergebung an— 
gedeihen zu lassen. Die Gatten sind wieder versöhnt, ihre Freude 
wird aber durch den bösen Seba, der alles mit angehört hat, 
gestört, der im Vereine mit dem hereinströmenden, Simsons Tod 
begehrenden Volke dem Simson, nachdem er ihn noch vergeblich 
zur Abschwörung seines jüdischen Glaubens aufgefordert hat, 
seinen bevorstehenden Opfertod im Tempel Dagons verkündet.
	        
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