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Björnstjerne Björnson. Der Dramatiker. Einige Gedanken

Full text: Blätter vom Lebensbaum / Wildenbruch, Ernst von (Public Domain)

Björnstjerne Björnson 
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as sind nun bald fünfunddreißig Jahre her!). 
Ich lebte damals in Frankfurt an der Oder. 
Frankfurt an der Oder ist keine große, keine 
kleine, es ist eine Mittelstadt, eine preußische 
Beamten⸗ und Militärstadt. Zu den Beamten 
gehörte ich auch; ich war Referendar am Kreis⸗ 
gericht. Wenn ich mit den Alkten fertig war, 
beschäftigte ich mich damit, meinen Familienangehörigen Sorge 
zu machen, indem ich Gedichte schrieb. Und weil ich dieser 
Neigung nicht widerstehen konnte, ging ich fast alle Abende 
ins Theater, um mir Anregung zu holen. Die Anregung aber 
war nur mäßig, in dem Theater wurde nicht allzu gut gespielt, 
und das, was gespielt wurde, war noch weniger gut. Was 
bekam man auch damals, unmittelbar nach Deutschlands Wieder⸗ 
aufgange, auf deutschen Bühnen zu sehn. Übersetzungen von 
französischen Ehebruchsdramen; Stücke von deutschen Verfassern, 
die den Franzosen nachmachten; dazwischen hier und da ein 
dramatisierter Roman von der Birch-Pfeiffer, der die theatra— 
lische Familienkost darstellte. Und mitten in all dieser Frivoli— 
tät, Banalität, die wie ein erbärmlicher Widerhall aus der 
dramatischen Werkstatt Deutschlands auf den ehernen Glocken⸗ 
ton antwortete, mit dem die Weltgeschichte über die Erde ge— 
schritten war, las ich an einem Wintertage, am Theaterzettel 
angekündigt: „Ein Fallissement, Schauspiel in vier Akten von 
Biörnstjerne Björnson“. 
Den Namen hatte ich noch nicht gehört; und er klang 
so seltsam, so frend. Das Stück mußte ich sehn, und ich 
sah's. 
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Am Abend nach der Vorstellung war ich mit meinen bei— 
y Der Aufsatz ward auf Veranlassung des Herausgebers des 
„März“ zu Björnsons 75. Geburtstag — 8. Dezember 1907 — ge— 
schrieben. A. d. H.
	        
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