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Auf den Trümmern von Akragas. Eine Mär

Full text: Blätter vom Lebensbaum / Wildenbruch, Ernst von (Public Domain)

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Vier Dramen 
schaftliche Töne; ebensolche finden sich in dem Konflikt zwischen 
den Gatten und desgleichen sind sie im vierten Akte, beim Wieder⸗ 
erwachen der ursprünglichen Liebe in Gabrielens Herz, ver—⸗ 
nehmbar. Dennoch trägt ein Stück, dessen letzte Frage darin 
gipfelt, wann die Helden desselben zur Erkenntnis der wahren 
Sachlage kommen werden, welche nebenbei gesagt dem Zuschauer 
längst bekannt ist, schließlich sein Urteil in sich selbst. Denn 
eine dramatische Intrige, und wäre es die geschicktest durchgeführte, 
ist keine aus dem Herzen geborene dramatische Idee. Die Leiden⸗ 
schaften, die sich entwickeln, können unser Innerstes nicht berühren, 
weil sie nicht das naturgemäße Ergebnis gegeneinander strebender 
Individualitäten oder Verhältnisse, sondern nur das Produkt 
von Irrtümern sind. Sobald der Irrtum gehoben ist, tritt das 
Gefühl ein, daß die Leidenschaft unnötig und überflüssig war, 
und der Schluß des Stückes besagt nichts weiter, als daß nun 
alles wieder an dem Flecke ist, wo man zu Anfang stand; es 
eröffnen sich keine Ausblicke in das Seelenleben; unsere Seele 
bleibt überhaupt kalt und nur der Verstand, der untergeordnete 
Teilnehmer am Kunstgenuß, tritt in Tätigkeit. Aber beruht 
Sardous Dora, mit welcher Bürgers Gabriele eine gewisse 
innere Verwandtschaft nicht verleugnen kann, nicht auf einer 
Intrige? Und will man behaupten, daß Dora nicht ergreift? 
Ja gewiß, sie tut es. Wenn man nun aber einmal ein so 
kompliziertes Instrument, wie ein Intrigenstück es ist, spielen 
will, so muß man es so virtuos beherrschen, wie es in Dora 
geschieht. In diesem Stücke wächst die Intrige wirklich zur 
seelischen Größe und Gewalt an. Und die Gründe sind ziemlich 
offenbar: zunächst ist hier die Intrigantin, die Gräfin Zika, 
eine ganz anders packende Figur als Bürgers intrigierende Frau 
Delberg. Jene ist ein Dämon des Hasses und der Rache, ihre 
Intrige ist eine furchtbare Tat — diese fädelt ihre Intrigen 
mit der Kälte und Ruhe eines Kartenspielers ein, der seine 
Trümpfe ausspielt. Und dann beruht der Verdacht, den dort
	        
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