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Max Jähns. Ein Nachruf

Full text: Blätter vom Lebensbaum / Wildenbruch, Ernst von (Public Domain)

Max Jähns 
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Geist bewegt. Wäre dies nur ein Ergebnis der umfassenden 
Bildung gewesen, über die er gebot, so würde es erkältend 
gewirkt haben, aber weil es wahr und ursprünglich, nicht nur 
etwas Angeeignetes sondern Angeborenes, eine wirkliche Eigen⸗ 
schaft seines Wesens war, darum wirkte es wohltuend, hin—⸗ 
reißend, darum konnte man sich an ihm Geist und Gemüt er—⸗ 
wärmen. Angeborene Eigenschaften müssen überkommen und 
ererbt sein und jeder, der in der Margaretenstraße bei Max 
Jähns gewesen ist, hat auch die Quelle erkannt, aus der ihm 
der warme Strom ins Leben geflossen ist, hat den alten genialen 
Mann dort noch gesehen, der mit seinem fein geschnittenen, 
bartlosen Greisengesicht, mit seiner lodernden Begeisterungs- 
fähigkeit und, unter Umständen, seinem Berserkerzorn in unsere 
Gegenwart hineinragte wie ein Denkmal alter, anderer, heißerer 
Zeit, den Vater von Marx Jähns, den Verehrer und Verkünder 
Karl Maria von Webers, den eigenartigen, unvergeßlichen Wil—⸗ 
helm Jähns. 
Wilhelm Jähns, der Musiker und Musifschriftsteller, war 
vermählt mit Ida von Klöden, der Tochter des hervorragenden 
Schulmannes, einstmaligen Direktors des Grauen Klosters, von 
Klöden, der das in seiner Art einzige Buch „Die Quitzows 
und ihre Zeit“ geschrieben hat. Was Wunder, daß dem 
Soproͤßling aus einer solchen Ehe tiefgehende Neigung zu Dich⸗ 
tung und Musik als Patengeschenke der Natur in die Wiege 
gelegt waren. Manchmal, und nicht ohne Kopfschütteln habe 
ich mich gefragt, was eigentlich Max Jähns seinerzeit veranlaßt 
haben mag, Soldat zu werden, statt sich der Wissenschaft zu 
widmen, oder den Beruf des Schriftstellers zu erwählen. Spät 
erst, als ich ihn in seinem Verhältnis zu dem alten Vater, dem 
phantastischen, leidenschaftlichen, zuletzt beinah dämonisch leiden— 
schaftlichen alten Manne sah, bin ich zu einer Art von Losung 
der Frage gelangt. Er mochte fühlen, daß er vom Vater mehr 
als nur die edel geformten Gesichtszüge, daß er von dem feurigen
	        
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