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Moralische Totschläge

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

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nieren; und weil er mir nich direkt beikommen kann, schiebt er 
äb'n Sie vor. Sie kommen nachher bei der Verhandlung gar 
nich in Betracht, — das macht er schon so, passen Se auf. 
Er wird als Zeuge geladen und hat miich dann beim Schla— 
fittchen. Weiter will er ja nichts!“ 
„Nur Ihre Sache noch, Herr Parafini,“ sagte Feininger, 
als sie zusammen aus dem Café gingen, „damit er mir nichts 
nachsagen kann; dann aber: los von Lehmann!“ 
„Nu geh'n Se aber ooch hibsch ruhich nach Hause, un lassen 
Se sich nich von der Quatscherei niederdrücken. Beim Schieds— 
mann also!“ sagte Parafini, dann lief er rasch über die 
Straße, seiner herankommenden Elektrischen zu. — 
Feininger teilte Lehmann mit, daß er nun bereit sei, die 
Angelegenheit Parafinis vor den Schiedsmann zu bringen, 
betonte aber gleich, daß er dies lediglich tue, nur um zu sehen, 
wer auf seinen Behauptungen stehen bleiben wird. 
Das Ganze deprimierte ihn furchtbar und machte ihn nervös. 
Am andern Vormittag zog es Feininger endlich wieder 
zu seinem Schreibtisch; er mußte aber auch heute sein vor 
langem angefangenes Manuskript nochmals zusammenlegen und 
sich auf den Weg zum Schiedsmann machen, dem er den Brief 
Lehmanns, in welchem ihm dieser den Ausspruch Parafinis 
mitteilte, zu Protokoll gab. 
Nach genau acht Tagen wurde er zum Sühnetermin ge— 
laden, wovon er Lehmann kurz Mitteilung machte. 
Daraufhin erhielt er von diesem durch die Post den 
Wortlaut der Ehrenerklärung, auf die er unbedingt in dieser 
und keiner anderen Form bestehen sollte. 
„Ich gebe zu, derartige, dem Wortlaut und Sinne nach 
zum mindesten ähnliche Äußerungen über Herrn Fritz Feinin— 
ger gemacht zu haben. Ich nehme dieselben mit dem Aus— 
druck lebhaften Bedauerns zurück und erkläre, daß ich absolut 
keinen Grund hatte, derartiges zu sagen. — Ich trage die bis— 
her entstandenen Kosten und zahle zu Händen des Schieds—
	        
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