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Moralische Totschläge

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

XIII. 
Feininger hatte zu Hause bis Mittag gearbeitet und füllte 
einen Bücherverlangzettel für die Königliche Bibliothek aus, 
um dort weitere Vorstudien zu einer begonnenen dramaturgi— 
schen Abhandlung zu machen. 
Da es zwei Stunden dauert, bis ein gewünschtes Buch im 
großen Lesesaal vorgelegt wird, so überlegte er, was er bis 
dahin beginnen könnte. Er verspürte Hunger und beschloß 
deshalb, ins ,Café Monopol' zu gehen, das er früher stets 
besucht hatte. Nur wegen Staudigl war er in letzter Zeit 
immer in das laute ‚Café Westminster“ gegangen. 
Als ihn der Oberkellner Eduard eintreten sah, gab er so— 
gleich seinem Zuträger die Weisung: „Eine Schale Melansch 
und ein Stück'l Zucker mehr!“ Das zuvorkommende Wesen 
des Mannes, sein elegantes Auftreten und sein feiner Takt 
paßten so ganz in den Rahmen dieses trotz der großen Fre— 
quenz ruhigen und vornehmen Cafeés. 
Der Zeitungskellner Franz suchte unaufgefordert vom Zei— 
tungstisch und im Lokal alle Blätter zusammen, die Feininger 
gewöhnlich zu lesen pflegte. 
Von all dieser Aufmerksamkeit angenehm berührt, kam er 
bald in eine sichtliche bessere Stimmung. 
Er ließ die Zeitung sinken und sah durch das erhellte 
Lokal. Merkwürdig: noch nie hatte er es eigentlich genauer 
betrachtet; immer hatte er nur den Gesamteindruck auf sich 
wirken lassen. Jetzt erst fiel ihm die einheitliche Durchführung
	        
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