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Im "Restaurant Prinz Luitpold"

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

XI. 
Allmählich kamen die Abendgäste, und das „estaurant 
Prinz Luitpold' füllte sich. Die Kellnerin Kathi zog die Tuch— 
vorhänge an den Fenstern zusammen; Ihre Kolleginnen ver— 
teilten die Abendkarten auf den Tischen ihrer Reviere und ent— 
zündeten mit einem Stabe die Flammen im ganzen Lokal. 
An einem Tisch allein saß als einsame Größe Rudolf 
Tulpee, der Dichter, und verknabberte diverse Brötchen zu sei— 
nem Glase Bier. „Kathi!“ rief er: „Was habt Ihr heut' auf 
der Speisenkarte? — Is wohl wieder nichts Gescheites da?“ 
Er überflog sie mit einem Blick und gab sie der Kellnerin zu— 
rück, indem er sagte: „Na, ich wußte es ja: auf die Sachen 
habe ich keinen Appetit, — da esse ich gar nichts!“ 
Kathi betrachtete mit einem scheelen Seitenblick den beinahe 
leeren Brotkorb, den sie erst vorhin frisch gefüllt hatte: — es 
lagen nur noch drei Brötchen darin. 
Tulpee schaute die blonde, dicke Person von oben bis un— 
ten begehrlich an. Sie war so geduldig, so nachsichtig; und 
hatte ihn bei seinen Übergriffen noch nie in die Grenzen zurück— 
gewiesen. Das machte ihn noch kühner. 
Er hatte ja nun einmal den Grundsatz, aus allen Men— 
schen so viel für seine Zwecke herauszuschlagen, wie nur irgend 
möglich war. „Gehen Sie gerne in's Theater, Mädel?“ 
„O, ja!“ 
„Wenn nächstens von mir ein Stück gegeben wird, — die
	        
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