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Zerrüttete Nerven

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

— 287 — 
Am selben Abend noch übermittelte er eine schriftliche 
Darstellung des Falles seinem Anwalt mit dem Ersuchen, den 
Revers anzufechten und zugleich eine auf Erpressung lautende 
Anzeige gegen die ‚Trinitas einzureichen. 
Nach fünf Tagen erhielt Feininger folgenden Brief: 
„Wir wundern uns sehr darüber, daß Sie Ihre Kontrakt— 
klage, nach dem, was inzwischen vorgefallen ist, nicht bereits 
freiwillig zurückgezogen haben. Wir fordern Sie daher auf, 
uns innerhalb von drei mal vierundzwanzig Stunden mitzu— 
teilen, ob Sie nach reiflicher Überlegung die Klage zurückziehen 
oder nicht. Falls das aber, wie wir annehmen, bereits geschehen 
ist, wollen Sie uns die Bestätigung darüber von Ihrem Rechts— 
anwalt zusenden. Hochachtungsvoll „Trinitas“.“ 
Feininger hatte das angenehme Gefühl, daß diese Leute 
einen für sie unglücklichen Ausfall des Prozesses befürchteten 
und nun zu diesem Mittel griffen. Da er aber den unter so 
schweren Drohungen erzwungenen Revers anfechten ließ, war 
er überzeugt: das, „was inzwischen vorgefallen ist“, würde bei 
Gericht schon ein anderes Gesicht bekommen. 
Frohgemut und zuversichtlich sandte er den Brief seinem 
Anwalt mit dem Ersuchen, ihn der Erpressungsklage beizufügen. 
Nach sechs Tagen bekam Feininger eine Postkarte: 
„Wir erhielten sonderbarerweise bis jetzt noch keinen Be— 
scheid von Ihrem Rechtsanwalt, daß der nächste Termin auf— 
gehoben ist! Hochachtungsvoll ‚Trinitas“.“ 
Feininger schrieb sofort seinem Anwalt, der sich tags vorher 
auf seine Frage nach dem Verbleib der gerichtlichen Eingabe mit 
Arbeitsüberhäufung entschuldigt hatte, daß die ,Trinitas“ nun 
einen zweiten Versuch mache, ihn zur Zurücknahme seiner Klage 
zu bestimmen; und ersuchte jenen, die Erpressungsklage sofort 
einzureichen. Er stünde in der öffentlichkeit; Bemerkungen, 
wie die Leute sie angedroht haben, könnten ihm jede Existenz 
kosten, wenn er keine richterliche Entscheidung herbeiführe. Die 
Herren dürften niemals glauben, nur durch ihr Schweigen
	        
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