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Im Cabaret

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

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„In drei Wochen — zirka. Da kommt der Eigentümer 
nach Berlin, und dann werden die Verhandlungen geschlossen.“ 
„Also .. bis jetzt .. is noch .. goar nix Festes nicht .. 
abg'macht?!“ fragte Staudigl lauernd. 
„Nein, noch nichts.“ 
Staudigl lehnte sich zurück und entzündete eine neue 
Virginia. Die Zigarre flog, wie immer momentan, wenn 
er eine Idee ausspann, von einem Mundwinkel zum andern. 
Feininger beobachtete das: „Jetzt hecken Sie gewiß wieder 
was aus,“ flüsterte er ihm leise zu: „wie damals mit den 
beiden Karten.“ 
„G'spannst du was, lieber Leser?!“ gab Staudigl ebenso 
leise zurück; er hatte offenbar wieder frohe, zuversichtliche Laune. 
Feininger konnte nicht umhin, ihm zu sagen: „Ich glaube, 
Herr Direktor, daß Sie — wenn Sie auch noch so raffiniert 
vorgehen, bei Mündel, so kindisch und unbedeutend der sich gibt, 
doch nichts erreichen werden ...“ 
Staudigl machte eine abwehrende Bewegung. 
„.. und daß Sie Ihre Künste an dem Jungen vergeblich 
erproben!“ 
Statt einer Antwort zog jener die Uhr. „Jessas na, wie 
die Zeit vergeht: erst zwölfe!“ Er sprang auf. „Verzeih'n 
Sie, meine Herr'n, da muß ich aber z' Haus, 's is schon zu 
spet! — Herr von Feininger: ich seh' Sie doch morg'n Nach— 
mittag? Ich muß nämlich in der nächst'n Zeit auf zwei, drei 
Täg' verreif'n!“ 
Feininger begriff wieder nicht, wohin Staudigls Pläne 
zielten; aber so viel wußte er, daß der Wiener niemals ohne 
Absichten war. — 
Als Mündel nach Staudigls Weggang endlich mit seinem 
Dramaturgen allein war, fragte er ihn hastig: „Also: was ist's 
auf den Theateragenturen mit den Stücken?“ 
Feininger zuckte die Achseln. „Gar so günstig lautet der 
Bescheid eben nicht; ich war ja deshalb auch schon gestern 
bei Ihnen!“
	        
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