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Auf dem Stiftungsfest des "Allgemeinen Deutschen Journalisten-Bundes"

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

250 — 
Ein erstklassiges Theater will ich schaffen, — auf Geld kommt 
es bei mir nicht an! Sobald ich etwas wirklich Gutes zusam— 
menstelle und biete, wird mein Vater auch Geld hergeben! Aber 
es muß schon etwas Außergewöhnliches sein, denn sonst ..!“ 
Feininger lächelte verständnisvoll: „Sie haben wohl auch 
schon böse Erfahrungen gemacht im Leben. Ich glaub's! Wo 
die Menschen Besitz wittern, da setzen sie sich an, wie die Blut— 
egel. Aber andernfalls darf einen das nicht verbittern: der 
Kampf ums Dasein ist ja so schwer!“ 
Mündels Maulwurfsaugen blickten ihn an. Man hätte 
Tücke und Verschlagenheit aus ihnen lesen können. Lachend 
sagte er: „Hehe! Ich bin schon vorsichtig!“ 
Bisher war er immer nur ausgenützt worden, weil er der 
Position, die ihm das Vermögen seines Vaters ermöglichte, 
geistig nicht gewachsen war. Jetzt wollte er überschlau sein und 
versuchte jedem, der sich ihm näherte oder mit dem er zu tun 
hatte, in Übervorteilung zuvorzukommen. 
Feininger bemerkte zwar sofort aus seinen Gesprächen 
diese Prinzipien, hielt sie jedoch für eine verzeihliche Reaktion 
auf die Angriffe der Welt. 
Sobald man ihm mit rechtlichen Absichten gegenüberträte, 
würde sich — so meinte Feininger im echt idealistischen Glau— 
ben — die ganze Feindseligkeit gegen Welt und Menschen 
schon geben. 
Er ermunterte Mündel deshalb, seine Pläne weiter zu 
entwickeln. 
„Zunächst also muß ich,“ setzte Mündel auseinander, „das 
ganze Überbrettlpersonal entlassen. Das sind Komiker, Sän— 
gerinnen und Spezialitäten, mit denen man doch keine ernst— 
hafte Komödie geben kann. Aber dann muß ein neues Per— 
sonal engagiert werden! Und das ist so furchtbar schwierig 
zusammenzustellen! Kein Mensch kann es begreifen, was ich 
alles auf einmal im Kopf haben muß!“ 
Hier empfand Feininger schon deutlich, wie der junge
	        
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