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Weisse Liebe

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

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Brutalen; durch meine Liebe zu Ihnen bin ich in meinen Em— 
pfindungen sensibler, verfeinert geworden. — Die Liebe zu Ihnen 
ist mir ja so viel Glückseligkeit! Ich bange ständig davor, Sie 
auf irgend eine Weise zu verlieren!“ 
„Seien Sie darüber unbesorgt! Aber ich bin es Ihret— 
halben: trotzdem Leute, die vom Selbstmord reden, sowas ja 
doch nicht tun! — Vielleicht überleben Sie mich!“ 
„Ihre Eltern sind tot, .. Ihr Mann überm Meer, .. 
das Kind noch so klein. .. Und sollten Sie früher sterben,“ 
sagte er warm, „wird einer da sein, der dann Ihren Hügel 
schmückt!“ 
„Lieber Feininger: wieder diese Friedhofsgedanken?!“ 
„Bringen Sie mir öfter Sonne!“ 
„Von nun an, so oft als Sie nur wollen! Sie sind der 
Beste von allen! — Und wissen Sie, was Lehmann mit seinem 
Wühlen erreicht hat?“ fragte sie freudig bewegt: „Erst recht zu— 
sammengebracht hat er uns!“ 
Feininger ergriff mit beiden Händen ihren Arm, zog ihn 
zu sich empor, blickte Frau Witt in die Augen und küßte ihr 
lange die Hand. 
„Kommen Sie, Erika!“ rief er jetzt froh und zuversichtlich: 
„Nun müssen wir wieder nach der Stadt zurück; dann wird es 
gerade Zeit, daß ich zum Kommerzienrat gehe. Und dann muß 
ich gleich zu Staudigl, um ihm den Kontrakt zu überbringen. 
Das sind alles feierliche Momente!“ — — 
Unter fröhlichen Reden und voll seligster Hoffnung und 
freudiger Zuversicht schritten zwei glückliche Menschen den Weg 
zurück. — 
Feininger hatte für den Fall, daß er jetzt ein günstiges 
Resultat erhalten sollte, seine Werbung bereits vorbereitet in 
der Tasche. 
Er hoffte das Blatt Frau Witt noch am Nachmittag über— 
reichen zu können: 
Josef Jellinet: Kunstkauflente. 
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