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Herr Doktor Lehmann

Full text: Kunstkaufleute / Jellinek, Josef (Public Domain)

129 — 
er ihn, doch ja allen Einfluß aufzubieten, daß Staudigl seine 
„Dämonin' annehme und womöglich mit ihr sein Theater eröffne. 
Schließlich bekam Feininger von Lehmann noch die Er— 
mahnung, nicht etwa den Kopf hängen zu lassen, sondern 
fleißig zu arbeiten, literarisch etwas zu schaffen! Er solle sich 
ein Beispiel an ihm nehmen, der jetzt bald mit seinem neuen 
Roman: einer glänzenden Sache, fertig werde. 
„Ja“, erwiderte Feininger: „es ist leicht, ein Dichter zu 
sein und einen „glänzenden Roman' zu schreiben, wenn man 
immer zu leben hat, sein Essen und Trinken, seine schöne Woh— 
nung und Ruhe, .. Ruhe, .. Seelenruhe — und Geld!“ 
Lehmann stand auf. „Mein Magen knurrt, dunkel wird's 
ooch schon, Mittag hab' ich noch nich gegessen: nu los! — Ich 
fahr' endlich zu Kempinski!“ 
„Ihr seht ohnedies unangenehm satt aus!“ sagte ihm Fei— 
ninger darauf. Er war gereizt. „Jetzt fällt es Euch nicht ein, 
mir aus der Verlegenheit zu helfen! Aber nachts, wenn Ihr 
einen Kneipgenossen braucht, würde es Euch Vergnügen machen, 
mich frei zu halten!“ 
„Na 'n Vergnügen kann man sich doch was kosten lassen!“ 
wandte Lehmann lachend ein. 
„Und ich muß jetzt zusehen, daß ich noch rasch einige 
Bücher beim Antiquar verkaufe, um wenigstens Brot zu haben!“ 
Er ging nach dem Korridor, zog dort den Mantel an und rief 
durch die offene Tür zurück: „Adieu!“ 
„Wir können ja zusammen bis hinunter geh'n!“ rief 
Lehmann ihm nach. — 
„Was habe ich heute wieder erreicht?“ fragte sich Fei— 
ninger, als er auf der Straße stand. „Ich soll für ihn wirken, 
damit sein Stück bei Staudigl aufgeführt wird, und ihn auf 
dem laufenden erhalten!“ — Aber so lange der Prozeß mit 
Bärwald nicht aus der Welt geschafft wäre, wollte er noch zu— 
sehen: so lange hielt er sich für moralisch verpflichtet, für den 
Bund — und demzufolge mit Lehmann zu arbeiten. 
Zosef Jellinet: Kunittauflente.
	        
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