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Full text: Die steile Stufe / Heilborn, Ernst (Public Domain)

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Julie hatte ganz aus eigenem Antrieb und 
ohne daß irgend ein äußerer Anlaß dazu vorhan— 
den gewesen wäre, darauf gesonnen, ihrem Vater 
eine Freude zu bereiten. Vielleicht war ein wenig 
Eifersucht auf Frau Doris mit im Spiel; jedenfalls 
hatte sie einen sehr glücklichen Gedanken gehabt. 
Sie hatte all die Zitate, deren sich ihr Vater be— 
diente, und es waren deren nicht wenige, sauber in 
einem Heft zusammengestellt. Auf das Etikett hatte 
sie mit ihrer schönsten Schrift gemalt: „Aus Dichter— 
mund“. 
Justizrat Joachim war einigermaßen herabge— 
stimmt und nervös mit einem Besuch heimgekom— 
men, den er seinem Freunde Penzig noch gegen 
Abend abgestattet hatte. Julie trat ihm im Korri— 
dor mit gesenktem Kopfe, ganz blaß vor Erregung, 
entgegen und überreichte ihm stumm das Heft. Er 
blätterte flüchtig darin und sagte: „Es heißt aber 
nicht: Lenore fuhr ins Morgenrot, sondern ums 
Morgenrot‘. Im übrigen, was soll das?“ 
„Ich habe dir — mir das aufgeschrieben, um es 
besser zu behalten.“ Zwischen dem dir˖ und dem 
mir lag ein energischer Ruck am Zopfband. 
„Recht so. Dann mußt du aber auch zusehen, 
daß es stimmt.“ Und er gab ihr das Heft zurück.
	        
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