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VII

Full text: Die steile Stufe / Heilborn, Ernst (Public Domain)

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einen Abscheu vor allem Häßlichen und wich dem 
aus. Seiner Ansicht nach hatten Frauen vor der⸗ 
artigen Dingen die Augen zu verschließen. So, 
meinte er, sei seine Maria gewesen, und dahin 
sollte seine Julie erzogen werden. 
Frau Doris war die Bewegung des Justizrats 
nicht entgangen. Mit einem leisen Zucken ihrer 
schmalen Schultern wandte sie sich Julien zu und 
überließ den Freund Fräulein Finks einsilbiger 
Unterhaltung. Es war, als empfände sie in die⸗— 
sem Augenblick stärkeres Mitleid mit dem mutter⸗ 
losen Kinde. 
„Der Regenschirm? Den hat mir eine liebe, 
kleine Freundin geschenkt. Ich denke mir, sie hat 
ihn von ihrem Taschengeld gekauft. Ist das nicht 
reizend?“ 
Nein, Freundinnen hatte Julie keine. Wozu 
auch? Die Mädchen waren alle so dumm. Manche 
spielten noch mit Puppen. Sie selbst habe nie mit 
Puppen gespielt. 
„Aber eingeladen wirst du doch manchmal?“ 
„Früher freilich.“ Und in ihrer verstockten Art 
erzählte sie zögernd, daß sie einmal Freundinnen 
bei sich gehabt habe, und daß die dann gesagt hät— 
ten, es sei bei ihr langweilig gewesen. „Wie in 
einer Kindergesellschaft.“ Und dabei habe der Papa 
selbst sich zu ihnen gesetzt und mit ihnen Schokolade
	        
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