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XXIV

Full text: Die steile Stufe / Heilborn, Ernst (Public Domain)

208 — 
„Ja, satt sein und ein gutes Bett haben, das 
genügt wohl.“ 
„Es genügt auch. Und weißt du, wie ich das 
begriffen habe? Auf die allereinfachste Art. Es 
war in der ersten Zeit meiner Ehe, wir hatten eine 
Reise unternommen. Ich hatte mich leichtsinnig 
verausgabt, ein Bankguthaben besaß ich damals 
noch nicht, an Bekannte mochte ich mich nicht wenden. 
So kamen wir aus unsern guten Hotels in niedere 
Gasthöfe, aus der zweiten in die dritte Klasse und 
saßen in den Waggons mit allem möglichen Volk 
zusammen. Da hab ich's gelernt, dankbar zu sein 
für das, was man hat. Und Maria sagte auch —“ 
„Wenn du mir nur nicht immer von deiner 
Frau sprechen wolltest! Daß du das nicht begreifst, 
daß mich das beleidigen muß!“ 
„Wenn ich dir so ruhig von ihr sprechen kann, 
sehe ich nicht ein, warum du es nicht mit anhören 
solltest. Auch glaub ich dir das jetzt nicht mehr. 
Nicht mehr — seit dem Kranz.“ 
„Welcher Kranz?“ 
„Den du auf ihr Grab an ihrem Todestage 
legen ließest.“ 
„Ich einen Kranz auf ihr Grab? Ja, machst du 
dich über mich lustig?“ 
„Liebste Doris, verstell' dich nicht. Ich glaube 
dir doch nicht.“
	        
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