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Von der Dienstwohnung und der Dichterwerkstatt

Full text: Aus dem Bilderbuch einer reichen Kindheit / Malberg, Anna (Public Domain)

* 
ward zu einer Flucht aus der Wirklichkeit für 
mich. Wie ließ sich's da träumern, Gedanken 
spinnen, Aufgaben lernen! Der trockenste 
„Memorierstoff“ wurde perlenglatt, wenn man 
dabei den weichen Plüsch fühlte und die 
Augen in die Blumenkelche versenkte! Sah 
ich dann wieder in die Höhe, so begegnete ich 
zwei andern Augenpaaren, die auf mich herab⸗ 
schienen. Sie gehörten den lebensgroßen l- 
bildern der Argroßeltern väterlicherseits über 
dem Sofa. Er ernst, bedeutungsvoll, gebräunt, 
in Pose — sie auf Blaßblau, Puderfrisur 
und Perlen gestimmt, mit einem rätselhaft 
kühlen, spöttischen Blick aus braunen Sternen, 
die niemand weiter in der Familie hatte, und 
mit schlankfingrigen, weißen Händen, welche 
graziös über und zwischen den kostbaren 
Spitzenvolants der Ärmel lagen. Niemand 
hat mir je über diese Ahnfrau, deren Ge— 
schlechtsname ein italienischer war, etwas er⸗ 
zählen können; desto mehr beschäftigte sie mich 
natürlich. — Auf der vielgeschmähten Leder⸗ 
tapete kamen die beiden vornehmen Gestalten 
aufs lebendigste zur Geltung. Wer sie gemalt 
hatte, wußte auch wieder niemand; daß es
	        
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