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Ida und Beate

Full text: Aus dem Bilderbuch einer reichen Kindheit / Malberg, Anna (Public Domain)

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Reihe von Jahren sogar zwei eigens für unser 
Haus geschaffene Mädchen. Anter sich waren 
sie von geradezu phantastischer Ungleichheit. Die 
Köchin Beate war sehr lang, eckig, ältlich, 
garstig; Ida, das Stubenmädchen, auffallend 
klein, mit blanken braunen Augen im nicht 
unhübschen Gesicht, flink und gefirre. Beate 
stand trotz ihrer feinen Kochkunst dem Kuh— 
stall näher als der höheren Kultur; Ida hielt 
auf sich, trug gern abgelegte herrschaftliche 
Sachen und frisierte sich der Mode der Zeit 
entsprechend mit Wulsten von Kalbshaar, die 
unter das eigene geschoben wurden. Über 
Beatens Arsprung zerbrach man sich nicht den 
Kopf; irgend ein schwergliedriges Bauernpaar 
hatte der Welt diese dragonerhafte Tochter 
geschenkt, wenn sie nicht etwa aus einem alten 
Baumstumpf geschnitzt worden war. Ida 
stammte aus einem Chausseehause, das ganz 
in wildem Wein und türkischen Bohnen steckte, 
und zu dem sie manchmal hinausging, ihren 
zweimal verwitweten Vater zu besuchen, der 
ein weißbärtiger Unteroffizier in Zivilversorgung 
war. Vor nicht allzulanger Zeit hatte der 
Alte, der sich noch ganz gut aufs Herzenbrechen
	        
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