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Hedwig

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

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abwich, lautete: ‚das Haus wenigstens muß rein bleiben; 
sonst gibt's zum Schluß nur Unannehmlichkeiten.“ — Ach, 
wenn doch alle Ehemänner so denken wollten! 
Und es wäre nun falsch, anzunehmen, daß Hedwig 
etwa die Scherze des Herrn Markowski übel aufgefaßt 
hätte. Nein, wenn sie auch verschämt sagte: „Aber Herr 
Markowski, lassen Sie doch bitte das,“ so lag keineswegs 
ein Widerspruch darin, und man hörte ihrer Stimme den 
geheimen Stolz an, daß das Schicksal sie und gerade sie 
mit dem süßen Glück ihrer Liebe gesegnet hätte. 
Aber bald darauf, als Emil Kubinke eines Morgens 
kam, da öffnete ihm Hedwig mit einem ganz verquollenen 
und verweinten Gesicht; und als Herr Markowski nach 
seinen Stiefeln rief, da kam Hedwig nicht mit ihnen, wie 
sonst, hereingetänzelt — rosig wie ein Frühlingsmorgen — 
sondern durch die Tür schob sich nur ein dicker Arm, und 
die beiden großen Stiefel klatschten ins Zimmer. Und 
als Emil Kubinke mit der Zartheit einer jäugenden Taube, 
wie es bei dem Alten von Stradford heißt, Hedwig nach— 
her fragte, „aber Fräulein Hedwig, was haben Sie denn 
heute, Ihnen ist wohl Ihr Schatz untreu geworden?“ da 
entgegnete Hedwig kratzbürstig, ‚ Was geht denn Ihnen das 
an? Und außerdem habe ich Ihnen schon einmal gesagt, Herr 
Kubinke, daß ich überhaupt keinen Schatz nich habe!“ Und 
in ihrem Zorn warf sie nach Männe, dem Dackel, den Frau 
Markowski an Kindes Statt angenommen hatte, mit einer 
rohen Kartoffel, so daß das alte, faule Vieh ganz angstvoll 
auf seinen vier krummen Beinen aus der Küche schlidderte. 
Emil Kubinke aber ging kopfschüttelnd fort und 
wagte kaum „Adieu, Fräulein“ zu stottern. Nie hätte 
er geglaubt, daß das Weib ein so rätselhaftes Geschöpf sei. 
Am Abend aber, als Emil Kubinke nach seiner Boden⸗ 
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