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Hedwig

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

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mit einem Paar Augen an, daß ihm jetzt nachträglich auch 
sehr schön warm wurde. 
„Ja, das glaube ich,“ sagte der verlegen. „Sie 
haben ja Heizung“. 
„Aber nich zu knapp,“ entgegnete Pauline stolz und 
hielt es für angebracht, mit dem Staubtuch nach Emil 
Kubinke zu schlagen. 
„Und wie gefällt's Ihnen denn hier?“ fragte Emil 
Kubinke halblaut und brachte seinen Kopf — es zog ihn 
so — in bedenkliche Nähe zu dem rotblonden Heiligen— 
schein Paulines. 
„Hier? — Bei die Leute bleibe ich nich acht Tage! 
Mit die Olle, mit die Köchin, kann sich ja kein Mensch 
vertragen. Die Olle is ja verrückt!“ 
„Ach bleiben Sie man hier, Fräulein,“ sagte Emil Kubinke. 
„Das wäre doch wirklich nichts, wenn Sie wieder wegzögen!“ 
„Mit einmal! Es sind so viel andere Mädchen hier 
im Haus. Sehen Se, die Hedwig drüben, die hat ja 
schon vorhin aus'n Fenster jekukt, wie Sie übern Hof 
jegangen sind.“ 
Plötzlich erhob im Nebenzimmer Goldhänschen ein 
Mordsgebrüll. Es war über eine Fußbank gefallen und 
schrie nun ohne Aufhören, als ob es am Spieß steckte, 
trotz Mutter und Großmutter, die ihm mit kaum geringerer 
Lungenkraft die Worte: „Lade, Lade“ und „Bonbonchen“ 
entgegenbrüllten. Und Emil Kubinke machte schnell, daß 
er aus dem Zimmer kam, denn es wäre ihm doch unan— 
genehm gewesen, wenn man ihn hier noch angetroffen hätte. 
Aber Pauline rief noch einmal „St, st!“ hinter ihm 
her; und als Emil Kubinke sich umdrehte, da sagte sie: 
„Vergessen Sie nicht, frisieren, — am achtzehnten — aber 
bestimmt.“ Und dabei versprachen Paulines große, dunkle,
	        
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