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Introduktion

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

55 — 
„Na, was ist det hier? Können Se denn nich 
kieken,“ sagte ein tiefer Schlächterbaß. 
Emil Kubinke ging ruhig weiter, ohne Gegenrede, 
ohne sich umzublicken. Als er an der Vorbodentür war, 
— bevor er in den langen Gang trat, mit seinen unheim— 
lichen breiten Querbalken im Dämmerlicht, — hielt er einen 
Augenblick an. 
„Nicht doch,“ kam es von einer hellen Stimme herauf, 
„der kann uns ja noch sehen.“ 
„Ach wat, lass'n doch, Hedwig! Der Jüngling mit 
de Barbiertolle, der is ja bloß neidisch.“ 
Und dann war's ganz still. 
Emil Kubinke aber lag noch eine ganze Zeit mit 
offenen Augen im Bett, hatte die Decken fest um sich ge— 
zogen, hörte Herrn Tesch leise den Atem durch die Nase 
blasen, sah durch das schräge Fenster ein Stück tiefdunk⸗ 
len Himmel, auf dem gerade mit hellen Punkten der 
Wagen des großen Bären stand. Und während seine Ge— 
danken so von Emma zu Hedwig, von Hedwig zu Emma 
und von diesen beiden immer wieder zu Pauline wanderten, 
schlief er ein. 
Und seltsam, Emil Kubinke träumte weder von Hed— 
wig, noch von Emma, noch von Pauline; sein Traum war 
weit weniger üppig und angenehm: er saß wieder ganz 
hinten in der großen grauen Stube, er sah die drei Kaiser— 
bilder, die Schultafel, die Heizröhren, und oben saß der 
Klassenlehrer Doktor Mieleff, krabbelte und zauste sich in 
seinem kurzen grauen Bart, sah mit höhnischen Augen 
über die Brille fort und rief „Kubinkel“ Und Kubinke 
kroch vor Angst ganz in sich zusammen. 
„Maitre corbeau sur un arbro perché, tenait dans 
son bec un fropago,“ stotterte er.
	        
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