Path:
Introduktion

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

33 
Löwenberg beschwichtigend. „Wissen Sie, meine Frau meint 
das auch nicht so. Sie ist nur durch den Umzug etwas 
nervös geworden,“ und damit verklärten sich Herrn Löwen⸗ 
bergs Züge zu heller Freundlichkeit, und er sah das neue 
Hausmädchen nicht ohne begründetes Interesse und ernsteres 
Wohlgefallen an. „Wie heißen Sie denn, mein Kind?“ 
„Ich heiße eigentlich Bertha, aber meine vorige Herr— 
schaft hat mich immer Pauline gerufen.“ 
„Also, Pauline,“ sagte Herr Löwenberg, „nun bringen 
Sie mal erst mit Ihrem Bräutigam Ihren Korb ins 
Mädchenzimmer; und dann helfen Sie uns noch ein wenig!“ 
.Das is nich mein Bräutjam; das is der junge Mann 
vom Friseur hier aus dem Haus, — er hat nur mein' Korb 
mit anjefaßt,“ und damit suchte Pauline nach einem Fünf⸗ 
groschenstück in ihrem Geldbeutel, um es Emil Kubinke 
zu reichen, — denn lumpen ließ sich Pauline nicht. 
„Das lassen Se man, Fräulein!“ sagte Emil Kubinke, 
und die Stimme zitterte ihm, „das hab ich gern getan.“ 
„Na, dann danke ich Ihnen auch,“ sagte Pauline und 
warf Emil Kubinke aus ihren großen braunen, feucht— 
schimmernden Augen einen Blick zu, in dem deutlich zu 
lesen war, daß dieser schlichte Dank nicht alles wäre, was 
er zu erwarten hätte. 
Und beseligt stolperte Emil Kubinke zur Tür hinaus. 
Man wird es vielleicht freudig bemerkt haben, daß 
Herr Max Löwenberg, trotz seines Londoner Zylinders 
und trotz des Stocks mit dem Silbergriff, mit denen er 
sich dem bewundernden Volke stets zeigte, in seinen vier 
Pfählen dem Dienstpersonal gegenüber keineswegs stolz 
war, und es wird angenehm aufgefallen sein, daß Herr 
Max Löwenberg das neue Hausmädchen sogar nicht allein 
freundlich, sondern wohlgefällig betrachtet hatte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.