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Introduktion

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

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„Na, können Se denn so weg — während de Geschäfts— 
zeit?“ fragte Hedwig nicht nur mehr mütterlich, son— 
dern schon mit persönlicher Anteilnahme. 
„Eijentlich nich, ich hab mir bloß was geholt. Der 
Chef is nicht da, der ist heute nachmittag Rechnungen 
einkassieren gegangen,“ versetzte Emil Kubinke ganz harmlos. 
„Au Backe!“ sagte Hedwig, denn sie war nicht um— 
sonst seit einem Jahre in dem Haus, um nicht alle Ge— 
heimnisse seiner Bewohner bis in die letzten Ecken und 
Winkel zu kennen. „Au Backe!“ sagte Hedwig, zwinkerte 
mit den Augen und puffte Emil vertraulich in die Seiten. 
„Des sind aber scheene Rechnungen!“ 
Jetzt war Emil ganz rot geworden. „Ich weiß nich,“ 
stotterte er. 
„Ach, Sie werden schon wissen,“ rief Hedwig und 
flitzte in den Hausgang, die Treppe hinunter, daß die Röcke 
nur so flogen. Und Emil Kubinke blieb einen Augenblick 
stehen und sah ihr nach, sah den weißen Hals, die Breite 
der Schultern und das Gliederspiel unter der prallen 
Bluse und den dünnen Röcken; und ohne daß er sich 
dessen bewußt wurde, streichelte das doch sehr angenehm 
seine Sinne. Und als er sich abwandte, da sagte er plötzlich 
halblaut, — es entfuhr ihm so, — die Worte des Herrn 
Tesch vor sich hin: 
„Es sind wirklich sehr nette Mädchen hier im Haus.“ 
Und nur mühselig und unfroh kehrte Emil Kubinke 
in den Laden zurück, und der Anblick Hedwigs, wie sie 
da mit ihren Schuhen die Stufen herunterklapperte, stand 
immer noch vor ihm, während er doch schon wieder ganz 
automatisch dem letzten Kunden mit dem Messer über die 
dicke Schwarte fuhr. Und als auch der verschwunden 
war, als geschlossen war, als alles noch gesäubert und an
	        
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