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Introduktion

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

38 — 
„Er kassiert Rechnungen ein,“ sagte Herr Tesch, ernst 
wie das Grab. „Vor Abend, hat er jesagt, kann er kaum 
wiederkommen.“ 
„So!“ sagte Frau Ziedorn. Sonst nichts. Und warf 
die Tür hinter sich zu, daß der kleine Junge, den Emil 
Kubinke immer noch unter seinen Fingern hatte, beinahe 
von seinem hohen Stuhle fiel. Und dann hörte man 
draußen bums! bums! bums! bums! eine reine Kanonade 
von zugeschlagenen Türen. Man konnte wirklich glauben, 
es wäre ein Prinz geboren. 
Und der Nachmittag ging Emil Kubinke hin, als wenn 
die Stunden Flügel hätten. Hier gab's doch Arbeit, und 
man mußte sich nicht alle halbe Stunden wieder mühsam 
vom Stuhl emporreißen, wenn ein Kunde in den Laden 
trat, wie das bei seinem alten Chef war. Und jeder der 
Leute hatte hier seine Eigenart, die ihm erst abgeluchst 
werden mußte. Der wünschte, daß man ihn unterhielt, 
und der war beleidigt, wenn man an ihn das Wort rich— 
tete. Der war wie ein rohes Ei so verletzlich, und der 
andere robust wie kaltes Eisen. Herr Graff mußte beim 
Namen genannt werden; aber bei Herrn Levysohn war 
die Namensnennung verpont. Herr Tesch kannte jeden und 
verstand ihn zu nehmen. Und er wußte Emil Kubinke oft 
mit einem Augenzwinkern zu verständigen, was zu tun 
und was zu lassen sei. Ja, das Geschäft hier! solch ein 
Geschäft hätte Emil Kubinke auch mal haben mögen. 
Und während nun draußen die ganze Straße sich 
mit einem roten Halblicht füllte, während das Abendlicht 
einen schönen Tag für morgen versprach und der Himmel im 
Zenit zwischen den dunklen Häusern ganz weiß, gelb und 
rosig leuchtete und sein magisches Licht über allem schwebte, 
während alles so seltsam hell war, wie scheinbar am ganzen
	        
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