Path:
Advertising

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

irgend eine soziale oder ethische Wunde am Gesellschaftskörper zu 
legen. Nichts von alledem, obwohl sich doch am Ende die ganze 
Geschichte darum dreht, daß eine Jüdin den christlichen Mann, den 
sie liebt, nicht heiraten darf. — — 
In dieser von keinerlei Weichlichkeit angekränkelten Wahrheit 
der Darstellung, die weder mit Pariagefühlen hausieren geht, noch 
Rionistische Fanfaren bläst, scheint mir die besondere Bedeutung des 
Buches für die Gegenwart zu liegen. Und schon allein um hret— 
willen darf man ihm wünschen, daß es seinen Weg zu vielen Augen 
und Herzen finden möchte, was ihm nicht schwer fallen dürfte, denn 
es hat nebenbei auch den für ein „literarisches“ Erzählungswerk 
heutzutage beinahe schon beschämenden Vorzug, unterhaltend zu sein. 
Ost und West: So sehen wir Jettchen und ihren Kreis in 
Georg Hermanns herrlichem Roman. So sehen wir sie ausgestaltet 
in der Wirklichkeit, traumgeboren im Dichterland; sehen sie bangend 
und tiefbeglückt, staunenden Auges und zitternden Herzens. — Und 
man wird ein besserer Mensch dabei. Ich war innerlich arm, sah 
oberflächlich ins Leben und ging an Menschen und Schicksalen gleich— 
mütig vorbei. — Da las ich „Jettchen Gebert“ und fand meine Ehr⸗ 
furcht wieder; und man kann nicht anders denn glauben, so müsse 
es allen gehen. — Dies aber ist ein untrüglich Zeichen, daß man 
ein Kunstwerk erlebt hat. — — Es ist schwer, etwas darüber zu 
sagen, was man eine Kritik, ein fachmännisches Urteil nennen könnte. 
Man ist so voll Dankbarkeit. und wenn man dankbar ist, wird man 
leicht trivial, und das darf bei diesem Buch nicht geschehen; denn 
es ist Leben. Das blüht und träumt, wächst und spinnt und fängt 
Farben in der Sonne, wie das Leben selbst. 
Straßburger Post: .... Es ist eine fesselnde kulturgeschicht⸗ 
liche Schilderung und ein wehmütiger Herzensroman zugleich, den 
Georg Hermann hier erzählt, eine Geschichte, von welcher der Ver— 
fafsser sagt, daß er sie habe erzählen müssen und daß es schade wäre, 
wenn sie nicht erzählt würde. Es wäre wirklich schade gewesen! 
Aus dem Grabe längst entschwundener Zeit holt der Verfasser die 
Gestalten herauf und erfüllt Zeit und Personen mit Wirklichkeit. 
Das alte Berlin steigt auf, mit ihm die alten Menschen, und Georg 
Hermann versteht es, uns so in ihrem Kreise festleben zu lassen, 
daß wir beim Lesen des Romans das Gefühl haben, Geschehnissen 
und Gegenwart beizuwohnen, so entfernt uns auch die Menschen 
und die Dinge sind. 
xXenien (Leipzig): Ich stehe nicht an zu behaupten, daß alle 
Lobeserhebungen, welche diesem Werke bisher zuteil geworden, noch 
viel zu gering sind im Vergleich zu dem wirklich künstlerischen Ge— 
halt des Buches oder unsere Worte müßten schon wie auf Flügeln 
dahinschweben, um von einem Werke verkünden zu können, das so 
ganz reine und unbewußte Seele ist wie diese Geschichte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.