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Finale

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

313 — 
Verschlag allein war, da faltete er ganz vorsichtig und 
mißtrauisch das gelbliche Kuvert auseinander, ungefähr so 
wie ein Affe, dem man eine zerknitterte Düte durch das 
Gitter zugesteckt hat, und der nun nicht weiß, ob da wirk— 
lich ein Stück Zucker eingewickelt ist, oder ob man etwa 
eine hinterlistige, surrende Wespe darin verborgen hat. 
Und ssst! — da flog die Wespe auch schon heraus und 
stach ihn niederträchtig. ... 
In Sachen betreffend — — Vormundschaft über den 
am 8. November 1908 geborenen Gustav Lemchen — — 
Sohn der unverehelichten Plätterin Hedwig Lemchen — - 
hiermit für den 23. November zwölfeinhalb Uhr — - 
Königliche Amtsgericht, Zimmer — — — geladen! 
Emil Kubinke schwamm es vor den Augen. Und er 
las noch einmal und noch einmal — aber es blieb stehen: 
Gustav Lemchen, Sohn der unverehelichten Plätterin Hed— 
wig Lemchen‘ — — blieb stehen schwarz auf weiß, mit 
ganz langen Schnörkeln. Die Sache war natürlich ein 
Irrtum — er hatte in seinem Leben keine Plätterin ge— 
kannt. Was hatte er denn mit der Plätterin Hedwig 
Lemchen zu tun? Ein Versehen war es, das sich sicherlich 
sofort aufklären mußte. Und ganz vorsichtig schob Emil 
Kubinke das Papier wieder in die Seitentasche und ging 
vor. Und er gab sich alle Mühe, keinerlei Verwirrung zur 
Schau zu tragen. 
Aber auch Herr Tesch und Herr Neumann arbeiteten 
wieder ruhig wie immer an ihren Plätzen hinter den 
Stühlen vor den breiten Spiegeln mit den vielen blanken 
Dosen und Gefäßen. Nur, daß Herr Tesch dem Kunden 
erklärte, daß das Wetter sehr wenig freundlich wäre, was 
der andere ja ohnehin schon bemerkt haben mußte; und 
daß Herr Neumann seinen Kunden belehrte, daß das
	        
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