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Emma

Full text: Kubinke / Hermann, Georg (Public Domain)

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zu. — Man sieht ordentlich, wie das alte morsche In— 
strument aufatmet, daß es für heute vorüber ist. Und 
singend und pfeifend, und lachend und küssend schieben 
sich die Paare aus dem Saal, während Herr Höhne mit 
einer Stange die Gasflammen ausdreht und zwei Haus— 
diener in Hemdsärmeln die Stühle auf die Tische packen. 
Von draußen durch hohe Scheiben fällt plötzlich das 
matte grünliche Licht des halben Mondes auf die verödeten 
Dielen, auf denen noch eben so viel schwerer und plumper, 
leichter und wuchtiger, zierlicher und spitzer Füße und 
Füßchen gewippt und gehopst, gedreht und geschleift, 
schassiert und gewalzt haben. 
Fast als die Letzten aber gehen Emma und Emil 
Kubinke aus dem Saal, denn Emma mußte doch erst 
noch Herrn Höhne adieu sagen. 
Draußen ist es wundervoll kühl, der Duft vom Regen 
hat sich noch nicht ganz verzogen, der ganze Garten liegt 
schön still und dunkel, und aus dem Dämmer schleicht 
hin und wieder ein Flüsterlaut oder das unbestimmte 
Leuchten einer weißen Bluse. Und doch fühlt man, daß 
oben der Himmel ganz hell ist, und daß über den Wipfeln 
der Mond steht mit seinem matten Schein, und daß über 
die tiefe Himmelsdecke einzelne Sterne wie Tautropfen aus⸗ 
gestreut sind. 
Wo sind jetzt die Kinderwagen hin und die Familien 
und die würdigen Ehepaare?! — Längst sind sie alle in 
dem mächtigen Steinhaufen Berlin irgendwo untergekrochen. 
Und die meisten Liebespaare, die haben sich auch schon 
mit langen Küssen getrennt; oder sie sind entschwunden, 
ohne daß sie sich getrennt haben. 
Schon sind die Straßen leer, nur irgendwo hört man 
noch lachen. Ein Teil der Laternen ist gelöscht. Ganze
	        
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