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Von der Abhängigkeit

Full text: Sehnsucht / Hermann, Georg (Public Domain)

Von der Abhaͤngigkeit. 
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ie eine Schneeflocke, wie ein Regentrop⸗ 
fen fegen wir irgend einmal, irgendwo 
vom Himmel herab, und dieser blinde Zufall 
des Seins mit allen seinen Beschränkungen ist 
das Erstaunlichste im Leben. Ist es nicht tra— 
gisch und lächerlich zugleich, daß ich gerade ich 
und kein andrer bin, von vornherein eingeengt 
in einen Kreis, dessen Grenzen ich nie durch— 
brechen kann, unterjocht von Mächten, denen 
ich mich — ich mag sie anerkennen oder nicht 
— ohnmächtig und hoffnungslos ausgeliefert 
fühle? Trotz der tausend Voraussetzungen, 
auf denen mein Sein in der Gesellschaft und 
im Physischen sich aufbaut, fühle ich mich doch 
ganz und gar voraussetzungslos, nur auf mich 
angewiesen, gezwungen, jeden Schritt, jede 
Erfahrung mir selbst zu erkaufen. Niemand 
sagt mir etwas von Bedeutung; die sprach⸗ 
liche Mitteilung ist leere Konvention, sie deckt 
sich nicht mit den Begriffen und Empfindun—⸗ 
gen, verhält sich wie schülerhafte Äbersetzung 
zum Urtext. Was sagt mir das Wort 
Schmerz, ehe ich ihn empfunden, und wie un—⸗ 
zugänglich ist es, wenn ich ihn erkannt habe! 
Wie verschieden und unvereinbar malt sich 
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