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Die Großstadteinsamkeit

Full text: Sehnsucht / Hermann, Georg (Public Domain)

irgend einen amerikanischen Wahlakt dar und 
zeigte Köpfe, Köpfe, Köpfe mit Hüten, mit 
Mützen. Burschen, Männer, einer wie der 
andere, ein Meer, das nach hinten ins End— 
lose zu verfluten schien; und das andere war 
das Bild eines heiligen Bades in Indien, 
mit einem unendlichen Gewimmel gleicharti— 
der Wesen, von gleicher Gestalt, gleichem Füh— 
len, dem gleichen unbekannten Gotte dienend. 
Und beim Anblick beider beschlich mich ein 
ähnliches Gefühl, wie es jetzt der ins maßlose 
gesteigerte Verkehr in mir hervorruft, direkt 
bitter, bedrängend mit einem Würgen im 
Hals. Und es schien mir, als ob sich plötzlich 
weite und endlose Fernsichten mir öffneten, 
die sich ins Ungewisse verloren und als ob 
mir etwas zum Bewußtsein kam, was ich 
eigentlich schon immer geahnt, — aber mir nie 
zu klaren Vorstellungen verdichtet hatte. 
Unser Augenbesitz an Werten, an Gegenstän— 
den, Gold und Silber, Diamanten, an Klei— 
dung, Geschirren, an Wagen, Automobilen, 
zählt, wie unser hastiger Besitz an Seelen und 
Empfindungen — nach Hunderttausenden und 
Millionen. — Und wir schenken sie mit dem 
nächsten Blick wieder fort, um neuen Reich— 
tum mit den Augen zu trinken und zu ver— 
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