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Im Zuge

Full text: Sehnsucht / Hermann, Georg (Public Domain)

Ich bin jetzt traurig, weil dieser ganze schöne 
Tag, der vergangen ist, mir nicht gehört, und 
weil dieses weite, endlose Land wie ein 
schwermütiges Rätsel vor mir liegt. Ich 
mache mir manchmal Gedanken, was aus all 
denen geworden sein mag, denen ich einmal 
im Leben begegnet bin: als Kaufmann im 
Geschäft, drunten in Süddeutschland beim 
Militär, all die kleinen Freundinnen, die ich 
einmal hatte und die mir ihr Bestes gaben 
— nämlich Liebe. Wenn der Pokal auch oft 
schlecht war, der Trank war doch gut. Weißt 
du, wer das sagt? Montaigne. Also muß es 
doch schon vor vielen hundert Jahren ebenso 
gewesen sein. Ich habe manchmal das Ge— 
fühl, als müßte ich all diese Menschen wieder 
grüßen, als müßte ich ihnen zurufen, daß ich 
doch einer von den Ihren bin, sie, die da 
draußen irgendwo im Leben treiben — weiß 
Gott wo — die ohne Aufenthalt dem letzten 
Ziele zueilen — und die ich doch nie gekannt 
habe, nicht mehr, als ich jenes Kornfeld oder 
jene Weidenkette dort kenne. Und doch ist 
das Leben bei all seiner Trauer etwas so 
Wundervolles! Wundervoll, wenn man fühlt, 
was es geben könnte, ein Schmaus für die 
Augen mit seiner Fülle von Erscheinungen. 
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