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Siebentes Kapitel

Full text: Kurfürstendamm / Lothar, Rudolf (Public Domain)

wenn sie Geld verlangten und keines bekamen! 
Jeden Tag gab es im Vorzimmer wüste Szenen. 
Vor ein paar Tagen war sogar der Flügel im 
Salon gepfändet worden. Zum Glück klebte das 
Siegel unten am Bauch des Instrumentes, und 
dort unten sah es niemand. Sie mußte alle diese 
Szenen mitmachen, sie mußte mit den Lieferanten 
sprechen, sie mußte die furchtbarsten Reden und 
Schimpfereien über sich ergehen lassen. Wie 
glücklich wäre sie gewesen, wenn ein Mann ge— 
kommen wäre, um sie aus dieser Hölle zu erlösen. 
Aber das durfte gerade Paul Günther nicht sein, 
denn der heiratete sie doch offenbar nur um des 
Geldes willen. Verliebt haͤtte sich der in sie nicht. 
Wie konnte man sich auch in sie verlieben! 
„Wieso denn ein Betrug?“ inquirierte Magda, 
„liebst du denn einen anderen?“ 
„Nein, nein!“ protestierte Elvira und suchte 
stotternd nach einer Ausrede. Endlich glaubte sie, 
das Richtige gefunden zu haben. 
„Meinst du nicht auch, daß es ein Betrug wäre, 
wenn ich ja sagte, wo ich ihn doch so nicht mag!“ 
„Warum aber magst du ihn denn nicht, du 
dunimes Kind? Er ist doch so amüsant, und er 
tanzt famos, und immer weiß er lustige Sachen 
zu erzählen, und immer ist er guter Dinge. 
Am Ende geniert dich seine Glatze? Ach Gott, 
früher oder später haben doch alle Männer Glatzen, 
und bei dem weiß man doch wenigstens, ärger 
kann es nicht mehr werden. Übrigens — steht ihm 
die Glatze gar nicht so schlecht. Weißt du, er hat 
so einen — sauberen Kopf!“ 
„Mach keine Witze, Magda!“ jammerte Elvpvira. 
„Ich weiß nur eines, ich komme darüber nicht hin— 
weg. Nie werde ich ja sagen, und meine Eltern
	        
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