Path:
Zweiundzwanzigstes Kapitel

Full text: Kurfürstendamm / Lothar, Rudolf (Public Domain)

281 
kletterte langsam vom Schemel herunter und ging 
durch die Mitteltüre ab, die er ganz leise hinter 
sich zuzog. 
„So! jetzt sind wir allein!“ sagte Onkel Fer— 
dinand und versenkte die Hände in die Rocktaschen.“ 
„Ich bin neugierig, was du mir zu sagen hast!“ 
„Ich habe Zhnen sehr viel zu sagen, Onkel. 
Aber bitte setzen Sie sich doch. Ich kann nicht 
reden, wenn Sie hin und herlaufen.“ 
„Macht mir noch Vorschriften!“ jammerte Onkel 
Ferdinand und rang die Hände. „Oa soll doch —!! 
Also gut, ich setze mich! Aber eines sage ich dir 
gleich, mein Kind, Geld gebe ich keines her! Wenn 
dich dein Vater geschickt hat, um von mir Geld 
zu holen, so hat er sich gründlich verrechnet!“ 
„Mein Vater hat mich nicht geschickt, ich komme 
aus freien Stücken. Es war me ine Idee, nach 
Bonn zu kommen! Und ich kann Ihnen sogar 
sagen, daß mein Vater gegen diese Reise war.“ 
„Schön, schön, wenn dein Vater dagegen 
war, so hat sie vielleicht einen vernünftigen Zweck! 
Übrigens kannst du dich auch setzen, mein Kind. 
Wann bist du denn angekommen?d« 
„Heute früh!“ 
„Hast du denn schon gefrühstückt?“ 
ga, Onkel!“ 
„Willst du nicht einen Kümmel haben, ich habe 
einen ganz famosen im Kasten. So was stärkt!“ 
Elvira schüttelte den Kopf. 
Der Onkel lächelte. 
„Gewachsen bist du, ein ganz famoses Mädel 
bist du geworden. Aber die Hand kannst du deinem 
alten Onkel doch geben!“ 
Er nahm Elviras kleine, weiche Hand zwischen 
seine langen, knochigen Finger, an denen die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.