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Elftes Kapitel

Full text: Kurfürstendamm / Lothar, Rudolf (Public Domain)

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unbefangener Beobachter jetzt gesehen hätte, wie 
sie mit flammenden Augen, mit herrlich plaflischer 
Gebärde auf Engel einsprach, sich von ihm ab— 
wandte, sich wieder zu ihm bog, so hätte er ge— 
schworen, daß da eine Liebesgeschichte ihren ver— 
wirrenden Anfang oder ihr tragisches Ende zu 
nehmen im Begriffe sei. Sie aber sprach nur 
von den Hotelpreisen in Ostende, und wie sie jeden 
Tag in den Spielfaal gegangen sei, um zu spielen, 
und es doch nie gewagt haätte. Engel hörte 
lächelnd zu. Er wollte in einem seiner nächsten 
Romane, der nicht blotz an pommerscher Küste, 
sondern auch zum Teil in Berlin spielen sollte, 
diesen Cypus schildern. Diesen Typus der mo⸗ 
dernen Berlinerin, die immer moderner, immer 
anders erscheinen will, als sie ist, die mit Leiden- 
schaft die Pariserin, die perverse Slavin, die ge— 
heimnisvoll flüsternde Amerikanerin spielt und im 
Srunde doch stets die brave, gute, deutsche Haus— 
frau bleibt. „Fassadenkunst!“, hätte Gräfner gesagt, 
wenn er dagewesen wäre. 
Endlich kamen die fünf Kunstkritiker aus dem 
Speisesaal, wo sie sich von Memling losgerissen 
hatten zu den Zigarren und bestürmten den Haus⸗ 
herrrn, doch zu erklären, wie er zu dem Schatz 
gekommen sei. Weltlin wußte Bescheid. Schin— 
kowski hatte ihn auf die Frage vorbereitet und 
ihm die richtige Antwort in den Mund gelegt. 
Auf einer Reise in Böhmen habe er zufällig irgend- 
wo das Bild gesehen, es sei ihm aufgefallen, er 
habe Schinkowski als Sachverständigen herbei— 
geholt, und er habe es schließlich durchaus nicht 
billig gekauft. Er war um keinen Preis zu bewegen, 
den Ort zu nennen, wo er das Bild gekauft, noch 
die Summe, die er dafür gezahlt hatte. 
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