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Erstes Kapitel

Full text: Kurfürstendamm / Lothar, Rudolf (Public Domain)

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platzte jetzt der Name Coßmann herein. Der junge 
Künstler, der die Krone bei Rolle entworfen hatte. 
Richtig, den mußte sie ja auch einladen. Wenn 
sie ihn aber einlud, hatte er keine Tischdame. 
Das ging nicht. Wen konnte sie nun noch einladen, 
damit er nicht leer ausginge?? Es war ihr spezieller 
Ehrgeiz, daß alle Herren, die in ihrem Hause 
verkehrten, mit ihren Tischdamen zufrieden waren. 
Das hatte sie vor den Gesellschaften bei Hollmanns 
voraus. Was gab es da nur für Nachbarschaften! 
Unlängst war der Stadtverordnete Geheimrat 
Danziger ihr Tischherr gewesen. Ein Mann, der 
allerdings im roten Hause glänzende Reden hielt, 
aber bei Tisch sprach er immer nur vom huma-— 
nistischem Gymnasium. Was ging Juliane Weltlin 
das humanistische Gymnasium an! Eigentlich — 
und hier hakte eine neue Gedankenkette ein — 
sollte es sie freilich angehen, denn Raoul, ihr 
Sohn, hatte schwer genug damit zu kämpfen. 
Der Hauslehrer, Dr. Köster, hatte unlängst erst 
geklagt, wie unaufmerksam Raoul sei. Seit 14Tagen 
nahm sie sich vor, Raoul eine Strafrede zu halten. 
Aber kam sie denn dazu? Fand sie uüͤberhaupt 
Zeit zu irgend etwas? Der Photograph Sieger, 
der jetzt so in Mode war, wollte sie schon seit Wochen 
in ihrer rosa Balltoilette photographieren für 
eine graphische Ausstellung bei Schulte. Und sie 
hatte sich noch keinen Vormittag frei machen 
können. Die rosa Balltoilette! Sie konnte sie 
wohl bei der großen Gesellschaft am Sonnabend 
nicht mehr anziehen. Man kannte die TCoilette 
schon zu gut! Sie würde das Kleid wohl bald 
verschenken müssen! Bezahlt war es allerdings 
noch nicht. Dreitausend Mark!! Und Madame 
Charlotte war so eine unangenehme, zudringliche
	        
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