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Viertes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

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Kelchen mattblinkenden Wein — „das Schicksal jede 
Bitte erfüllte, beinahe noch ehe sie ausgesprochen! 
Wollen wir vielleicht tauschen?“ 
Lerden hielt seine feine, blutlose Hand gegen das 
Licht, welches in einem breiten, roten Strom durch 
die Zweige der Trauerweide drang und die Gesichter 
der beiden mit lachendem Glanz übergoß. „Ein 
schöner Tag ... Aber sagen Sie, man wünscht doch 
oft etwas, als Kind ein Spielzeug, später Geld, 
was übrigens denselben Wert hat, und das Schicksal 
ist liebenswürdig, erhört uns — haben Sie da nie 
so eine bittere Enttäuschung über diesen heißersehnten 
Besitz gefühlt? In dem Falle bin ich.“ 
Der Graf verstand diesen unverbesserlichen Skep— 
ticismus kaum. „Das ist also Ihre gewisse Leere! 
Na, so möchte ich Sie mal auf einige Tage in meiner 
Haut wünschen! Leere ist da auch, und zwar im 
Beutel. Mein Vater hat va banque gesetzt, verloren, 
und ich bin ein so armer Kerl, daß mir das Schicksal 
höchstens meinen Grafentitel nehmen könnte, sonst 
nichts. Und Sie thun genau so, als wenn wir auf 
denselben Eiderdaunen schliefen. Ach nein, mein 
bester Herr Doktor, Sie würden mein Leben ja gar 
nicht aushalten. Doch ich, leichtlebig wie ich bin, 
habe noch nicht die Hoffnung aufgegeben, recht glück— 
lich zu werden.“ 
Lerden rührte dies Geständnis. Er hatte die
	        
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