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Viertes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

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kreischend öffnete. Sie waren es seit Jahren gewohnt 
gewesen, in dem Lerdenschen Park nur Gartenarbeiter 
zu sehen, die den Sprengschlauch und die Rasen— 
maschine mit einer lauten Lässigkeit handhabten, welche 
die Abwesenheit des Herrn verrät. Jetzt sah man 
zuweilen auf den gelbglänzenden Hauptwegen eine 
schmale Wagenspur; gelbe Gartenmöbel sahen durch 
die tief herabhängenden Zweige einer Trauerweide, 
und wenn wie heute die Frühlingssonne es besonders 
gut meinte, saß dort ein hübscher Herr, den das 
laute „Gott, muß der reich sein ... einer von der 
Börse“ der Vorübergehenden oft veranlaßte, einen 
spöttischen Blick durch das hohe, feinmaschige Draht— 
gitier zu thun und sich dann wieder gleichmütig der 
Zigarre und der Lektüre zuzuwenden. 
„Ich störe wohl?“ 
„Nein, Sie sind mir sehr willkommen, Herr 
Graf,“ sagte Lerden, ihn herzlich begrüßend. „Wenn 
es Ihnen recht ist, bleiben wir hier. Mein mittel⸗ 
alterlicher Käfig ist an Apriltagen mit Regenschauern 
und einer trüben Sonne sehr gemütlich, aber jetzt ...“ 
und mit einem ironischen Kopfschütteln fortfahrend: 
„Ich bin unschuldig an dieser Villa; eine tolle Idee 
meines Vaters, der dieses Nürnberger Stadthaus 
hierher verpflanzt hat als Erinnerung an seine süd— 
deutsche Heimat und die unwandelbaren Patrizier⸗ 
traditionen unsers Geschlechtes.“
	        
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