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Einundzwanzigstes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

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Wort, ohne einen Seufzer.“ Und jetzt wurde das 
Verlangen nach einem recht chnischen Schluß in ihm 
übermächtig. „Er hatte vermutlich das Stichwort 
fürs Sterbebett vergessen.“ 
Ernst hatten die andern zugehört, sie konnten 
sich eines Grauens nicht erwehren. 
Endlich stieß Schellagg aufgeregt hervor: „Er 
suchte den Tod!“ 
Jäger lächelte. Auch den übrigen kam es sehr 
unwahrscheinlich vor. 
„Bah! Es stirbt keiner freiwillig, der eine 
Million und einen gesunden Körper hat.“ 
Darauf Schellagg, der es liebte, seine Wahr⸗ 
nehmungen sententiös zusammenzufassen: „Er war 
wohl im Grunde ein Romantiker, dieser Lerden — 
einer jener unseligen Uebergangsmenschen, die das 
Alte verbraucht, das Neue fremd finden. Sie haben 
zuweilen den Wunsch, vom ‚Einst‘ ins „Jetzt‘ über— 
zuspringen, stürzen aber, wenn sie es thun, ganz sicher 
in die Tiefe, welche zwischen den beiden Ufern gähnt.“ 
Sie waren an den Ausgang gekommen, wo die 
Trauerwagen hielten. Mutter und Tochter stiegen ein. 
„Ich habe auf dich gewartet. — Weißt du, daß 
Lerden tot ist, Lo?“ 
„Hm!“ 
„Erschossen im Duell! Von einem Leutnant! — 
Und keine Bestimmung getroffen ... Das ungeheure
	        
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