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Zwanzigstes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

367 — 
Als wenn uns die Vorsehung extra als Treiber 
für die beiden angestellt hätte. Unter gewöhnlichen 
Verhältnissen wären sie nicht zusammengekommen. 
Es mußte etwas ganz Brutales geschehen, denn frei⸗ 
willig hätte diese Frau nie die Ehe gebrochen. Sie 
wäre verkümmert bei diesem Kerl — das wollte ich 
ja. — Und anstatt die Zeit ruhig arbeiten zu lassen, 
inscenieren zwei ungeschickte Regisseure eine Begegnung, 
unterstützen wie die besten Liebesboten das Ineinander⸗ 
fließen der Gefühle und schreiben — die Krone der 
Borniertheit! — einen plumpen Lügenbrief, der die 
Liebenden auseinanderreißen soll und in eine Sack— 
gasse treibt. Sie sind von allen verlassen; doch im 
rechten Augenblicke fällt ihnen der Schleier. Knüpfen 
wir uns desto enger aneinander!! — Das waren 
die Schwachen, die Dummen? Unbewußt sind wir 
ihnen die Führer zum Glück gewesen. Vielleicht 
haben sie uns innerlich gesegnet und verflucht zu— 
gleich. Bah, klüger und stärker wie wir! Und 
sie, die noch an einen Himmel glauben, die Liebe 
für Schuld, Selbstmord für Verbrechen halten, wagen 
ohne Zagen den Sprung in die ewige Verdammnis. 
— Es giebt keine Leidenschaft, keine Liebe? Voilà! 
Wir sollten den Hut vor ihnen abnehmen, die über 
die gemeine Interessenpolitik der modernen Ehe hinweg 
sich zu finden wußten. — Was schweigst du, Lo? 
Sprich doch! Ist dir die Zunge gelähmt? Der
	        
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