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Siebzehntes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

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und setzte sich an den Mitteltisch. Unterdes durch— 
maß er in halblautem Selbstgespräch, wie das seine 
Art war, mit schlürfenden Schritten das Zimmer. 
Er betrachtete sie durch seine Kneifergläser genau. 
Erst ein bißchen ängstlich, daß sie ihm den par— 
fümierten Wisch gleich vor die Füße werfen könnte; 
dann argwöhnisch, als purpurne Blutwellen über ihr 
Gesicht fluteten; zuletzt überzeugt, daß doch etwas 
Wahres an der Beschuldigung sein müsse, denn sie 
war wieder ganz weiß geworden. ‚Da sieht man 
ja.‘ Was er aber nicht sah, war das eigentümliche 
Flimmern in ihren Augen, die zusammengepreßten 
Zähne. Frau Marie las mit pedantischer Langsam— 
keit Wort für Wort; zuweilen zeigte sie auf ein 
undeutlich geschriebenes. „Was heißt das hier?“ 
„... Während Ihrer Reise ... Ein guter Freund 
rät Ihnen, Ihre Frau nicht wieder allein zu lassen ... 
Dem großen Fehltritt könnt' ein größerer folgen ... 
Fragen Sie doch einmal, wie sie sich mit dem Herrn 
Grafen oft bis spät in die Nacht amüsiert hat?“ 
Er brauchte seine Promenade nicht zu unterbrechen, 
weil er den Brief auswendig konnte. Sie wieder— 
holte alle seine Auskünfte in gleichem Ton, wie ein 
Automat. 
„... Ja, sie ist eine schöne Frau! Beherzigen Sie 
die Warnung, welche in diesem Schlußsatz Ihres er— 
gebensten X liegt! ...“ 
zur Megede, Unter Zigeunern.
	        
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