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Sechzehntes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

313 — 
Sind Sie jemals meinetwegen hierhergekommen? Sie 
lockte von Anfang an ein blonder Kopf. Und Sie 
sollten nicht geahnt haben, daß dieser Kopf von 
Rechts wegen nur mir gehören darf? Der alte 
Philister von Mann zählt nicht ... doch ich will 
lieber in die Hölle, will lieber eure beiden Köpfe 
zu meinen Füßen sehen, ehe ich dulde, daß eure 
Arme sich ineinanderschlingen!“ Er schrie das letzte 
ordentlich. Es war so ein Wirbelsturm der Gefühle, 
wo uns nur eine gütige Vorsehung vor dem Ver— 
brechen bewahren kann. 
Der Graf sprach kein Wort. Das lähmende 
Gefühl herbster Enttäuschung ließ ihn bewegungslos 
dastehen. Er hatte einen gallebitteren Geschmack im 
Munde. So also sah der wirkliche Lerden aus, 
wenn die Maske abgerissen! Ein blasser, herzloser 
Roué, der voll niedrigsten Neides sich brutal von 
dem Freunde schied, weil dem eine Frau zugelächelt 
hatte, deren süßen Leib er einst lüstern begehrte. 
Sie aber wandte sich verachtungsvoll ab von ihm, 
weil sie eben nicht feil war wie eine Tänzerin. 
Und so feige, den letzten Schlag hier zu führen, wo 
der Gast am wehrlosesten war, im eignen Hause! 
Der Graf war kein Herzenskenner, sonst würde er 
gemerkt haben, daß dieser berstende Vulkan, der den 
schwarzen Giftstrom von Neid, Eifersucht, wilder 
Sinnlichkeit mit so elementarer Gewalt ausspie, tief
	        
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