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Sechzehntes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

301 — 
Weiter, weiter! . . . Wie Römerinnen vor zwei— 
tausend Jahren ... Kein niedlicher Daumen würde 
sich heben, um Mann oder Pferd zu retten! Der 
wollüstige Kitzel der Grausamkeit ist zu schön. — 
Zuweilen fährt wohl eine mit einem leisen o Gott! 
zusammen. Das sind die ganz Gerissenen, die doch 
irgendwie der angenehmen Aufregung Ausdruck geben 
müssen.“ 
„Da bekommt man ja ordentlich Angst!“ lachten 
die Herren. 
„Muß man Sie noch Weiber kennen lehren? — 
Wenn eine anständig geblieben ist, ist das nicht ihre 
Schuld.“ 
„Das mag bei Berlinerinnen sein. Sonst giebt 
es doch noch makellose Frauen,“ entgegnete mit 
blitzenden Augen der Graf. 
Die Blicke der beiden begegneten sich. „Nicht 
wahr, was uns die Provinz schickt? Heiliger Franz! 
Da ist mir die echte Weltstädterin noch lieber. Die 
täuscht niemand und versucht es auch gar nicht. 
Teint und Gang — da weiß man genug. Aber 
diese taubenäugigen, rotwangigen Provinzheiligen — 
so keusch, so dumm, so gut! ... Und es giebt keinen 
Handschuh, der abgetragener wäre als diese Holden, 
wenn sie vier Wochen Weltstadtluft geatmet haben.“ 
„Ich kenne eine, die geblieben ist, was sie war. 
Diese letzte Illusion will ich mir bewahren!“ Wie
	        
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