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Achtes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

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losen Häusern. Aus den düsteren, schmierigen Por— 
talen und den glitschigen Stufen der Kellertreppen 
steigt der widerliche Dunst der Armut, legt sich auf 
die Stimmung, schwer, ahnungsvoll. Der Aristokrat 
meinte hindurchblicken zu können durch die dicht ver— 
hangenen Kellerfenster. Welches Bild! Diese fluchenden, 
betrunkenen Menschen mit den stieren Augen und 
den plumpen Arbeiterfäusten — wie sie sich in dem 
von Tabaksqualm dämmrigen, von stickigen Fusel— 
gerüchen erfüllten Lokale drängten! Das war die 
Weltstadt, nackt, in ihrer ganzen Brutalität. War 
er vielleicht besser? Und doch eilte er, hinaus— 
zukommen, weil sie ihn jäh überkam, die erklärliche 
Angst des Neulings, der in allem, in den verwelkten 
Gesichtern der Frauen, den frechen, grauweißen der 
Kinder, in den Augen der apathisch auf das feuchte 
Pflaster hingestreckten Ziehjunde den dumpfen Haß 
gegen die Besitzenden sieht, fühlt, riecht und sich 
bewußt wird, daß hier eine elementare, schreckliche 
Kraft schlummert, nur schlummert. 
Eine dumpfe, verderbenschwangere Atmosphäre, 
die, je schneller er ging, desto zudringlicher auf ihn 
eindrang! In weiter Ferne zeichnete sich der alles 
überragende Koloß des grauen Schlosses gegen den 
mürrischen Herbsthimmel ab. 
Eine Dame fiel ihm auf, die weltverloren, ein— 
sam wie er, vor ihm herschlenderte — eine Dame in
	        
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