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Sechstes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

— 145 — 
bon einem kühlen, reinen Luftstrom durchflossenen 
Waldgängen etwas so Frisches, Neugeborenes — 
steigerte es sich bis zu einem Gefühl unendlichen 
Elendseins, das all die lockenden Vogelstimmen und 
rauschenden Blätter dieser friedlichen, leuchtenden 
Natur als hämische Freude über ein verlorenes 
Menschenschicksal deutete. Der Spiegel des neuen 
Sees blitzte herüber. Sie setzte sich auf eine Bank 
und sah in stumpfer Versunkenheit auf die gekräuselte 
Wasserfläche. Der „Unsterbliche“ fiel ihr ein, und 
die stolze Herzogin, wie sie, über die Galerie ihres 
Schlosses gebeugt, die ruhigen Wasser der Loire an 
sich vorüberfließen sah und an eine verzweifelte 
dösung dachte. 
„O. das werde ich nie thun!“ Und so seltsam 
sind die Gedankensprünge eines überreizten Hirnes, 
daß plötzlich, klar bis ins kleinste Detail, ihr eine 
Rachephantasie vorschwebte. Sie wollte zurückgehen 
zu Fritz, ihm die Wangen streicheln, ihn trösten. 
„Mein Freund, du mußt auf andre Gedanken 
kommen!“ Sie wollte ihn selbst hinführen an den 
Kamin. „Dort auf jenem Stuhl lag ich in seinem 
Arm, Lippe an Lippe, Leib an Leib. Und du 
ahntest nichts, als ich so überschwenglich glücklich 
war an jenem Abend; dachtest wohl über dich und 
deinen guten Appetit, du alter Mann! Und das haben 
wir oft gethan, mon cher, beinahe vor deinen Augen!“ 
zur Megede, Unter Zigeunern. 10
	        
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