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Fünftes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

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Gehirn zuweilen der Wahnsinn. Verziehen haben 
Sie mir nicht ...“ 
„Nein, niemals!“ gab sie zurück, die Hand von 
den Augen nehmend. 
„Auch nicht vonnöten, Madame. — Ich habe 
Sie geliebt. Warum das leugnen? Mit dem Ge— 
fühl bin ich fertig.“ Seine Stimme zitterte leicht; 
er preßte die Lippen aufeinander. „Es ist mir schwer 
geworden, doch es ging. Die Zeit, der Verstand, 
außerdem werde ich thatsächlich alt. Ich glaubte, 
Ihnen als Gentleman diese Erklärung schuldig zu 
sein. Der Lebemann gewöhnlichen Schlages bin ich 
Ihnen gegenüber jedenfalls nie gewesen.“ 
„Nicht?“ Und es packte sie die Empörung über 
diese cynische, leidenschaftslose Beichte. Ihr Kopf 
glühte. 
„Also doch Temperament, Madame? Man macht 
immer neue Entdeckungen.“ 
„Wie meinen Sie das?“ fragte sie aufstehend. 
„Wie's gesagt ist.“ 
„Aber ich will eine Erklärung.“ 
Er zuckte die Achseln. „Sind Sie danach so sehr 
begierig?“ 
Eine minutenlange Pause folgte. Sie würden 
sich auch nicht verstanden haben, so tobte das Ge— 
witter draußen. Der Himmel war beständig in 
flammendes Licht getaucht. Ununterbrochen folgten
	        
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