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Fünftes Kapitel

Full text: Unter Zigeunern / Zur Megede, Johann Richard (Public Domain)

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bändiges , Etwas‘, wie bei all diesen kalten Menschen. 
Oder war er vielleicht doch so verlebt, gleichgültig, 
daß er trotz seines bekannten Glücks bei Frauen sie 
satt hatte, weil er ihnen eben nichts mehr geben 
konnte, weder Herz noch Sinnlichkeit?“ 
Klug war der Graf nie aus ihm geworden. 
„Sollte doch etwas vorgefallen sein zwischen diesen 
beiden?“ Aber er verwarf den Gedanken sofort 
und lehnte sich, unwillig über sich selbst, in den 
Rohrstuhl zurück. 
Er kam dabei in den Lichtstreif. 
„Stören Sie mir meine Kreise nicht,“ bemerkte 
Lerden von der Chaiselongue. 
„Sie haben einen leisen Schlaf.“ 
„Ach was, ich habe so wenig geschlafen wie Sie. 
Ich habe mit mir und einem Entschluß gekämpft. 
Das hält immer schwer.“ 
„Der wäre?“ 
Lerden erhob sich und ging mit lautlosen Schritten 
ein paarmal im Zimmer auf und ab, dann schlug 
er dem Grafen auf die Schulter. Er that dies oft, 
aber ohne Kordialität. „Ein sogenanntes neues 
Leben anfangen. Uebermorgen bin ich nicht mehr 
hier.“ 
„Und ich?“ Der Graf streckte ihm beide Hände 
hin. „Das würde mich sehr unglücklich machen!“ 
„Sie sind, was man einen guten Kerl nennt,
	        
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