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III. Buch. Reif sein. 1895

Full text: Moderne Menschen / Meissner, Franz Hermann (Public Domain)

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Haus und jeder Winkel war ihm bekannt, — wie eine trauliche 
Gewißheit lag jetzt die große Grunewaldaufgabe vor ihm, 
in ihm und hinter ihm, — die weiche, feuchte Luft um- 
fächelte ihn, — ein lichterblitzendes Halbdunkel umgab ihn, 
indessen es in den Wolken hoch oben noch hell war, — — 
sein Herz war weich und sein Gemüt tief innen zufrieden. 
Am Hauptportal des Schlosses mußte er ein Weilchen warten, 
da ein langer Wagenzug aus dem Marstall her in das Schloß 
einlenkte. Auch drüben warteten Menschen. Ein kleiner, 
dicker, gebückter Mann fiel ihm auf, der sich ihm gegen- 
über schwer atmend auf einen Stock stützte und mit blöden 
Augen vor sich hinstarrte. Er sah zum Erbarmen leidend 
aus; der Tod schien ihn schon gezeichnet zu haben. Als 
der Weg frei war, machte Anders einen Bogen um den 
Kranken, blickte ihm aber gespannt in das Gesicht. Er 
erkannte Spiegelberg, — den Schurken von Korffs her. 
Wie Anders wußte, war er seit dem Zusammenbruch der alten 
Firma Kassierer in einem kleinen Bankgeschäft. Er hatte 
ihn lange nicht mehr gesehen. Wie gerecht ist das Schick- 
sal mitunter, sann er, — dieser Mann war gezeichnet und 
verfemt für sein Verbrechen an ihm und Lieschen! Er 
ging grübelnd weiter. Am Denkmal auf der Kurfürsten- 
brücke fiel Otto jene Mondnacht ein, als er vor zehn Jahren 
hier stand und hinaufsah und überlegte, ob er in zwanzig 
Minuten in seinem Bette oben in der warmen Mansarde liegen 
könne, — durchgefroren und übermüdet wie er war. Und 
wie ihn der Dienstmann unten abfing und Tegel ihr erster 
Angriffspunkt ward. Seine Laufbahn war doch eine märchen- 
hafte gewesen. 
Dann aber bog Otto an der Rrücke links in die Burg- 
straße ein. Und nun sah er schon von weitem eine Frauen- 
gestalt in dem altbekannten Erker und einen Knaben, die ihn 
mit fröhlichem Winken begrüßten. Er grüßte wieder und 
schritt schneller aus. Jetzt war er schon im Hause und 
schritt über den weichen Läufer auf den flachen Treppen 
hinauf und lauschte lächelnd auf die wilde Jagd, die von 
oben herab stürmte. Julius der Kleine nahte im Sturm und
	        
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